<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/api.php?action=feedcontributions&amp;feedformat=atom&amp;user=ChristianPeters</id>
	<title>Mittel- und Neulatein macht Schule! - Benutzerbeiträge [de]</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/api.php?action=feedcontributions&amp;feedformat=atom&amp;user=ChristianPeters"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php/Spezial:Beitr%C3%A4ge/ChristianPeters"/>
	<updated>2026-09-15T15:42:50Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.35.2</generator>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4&amp;diff=1266</id>
		<title>Jacopo Sannazaro, Elegiae 2, 4</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4&amp;diff=1266"/>
		<updated>2022-05-24T17:40:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Jacopo Sannazaro (1458-1530) gehört zur ersten Generation neapolitanischer Humanisten, die vollständig unter der Herrschaft der Könige des Hauses Aragon (seit 1443) aufwuchsen und von deren immenser kultureller Patronage profitierten. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern, dem aus Palermo stammenden Antonio Beccadelli (1394-1471) und dem Umbrer Giovanni Pontano (1429-1503), die das Ideal des gelehrten und schreibenden Politikers der frühen Renaissance verkörperten (insbesondere Pontano war neben der Führung der Staatsgeschäfte eines der bedeutendsten Staaten Italiens zugleich als Dichter produktiver als fast alle seiner Zeitgenossen), widmete Sannazaro sein Leben ganz überwiegend der Literatur. Dafür konnte er bis zur Vertreibung der aragonesischen Könige aus Neapel 1501 auf deren Förderung zählen – Ferdinand II., den Sannazaro ins Exil begleitete, aus dem er allerdings 1505 schon wieder nach Neapel zurückkehrte, hatte dem Dichter noch 1499 ein stattliches Anwesen geschenkt. Die Patronage des Königshauses wurde maßgeblich vermittelt durch Giovanni Pontano, den Entdecker und Förderer Sannazaros. Pontano verdankte er auch sein humanistisches Pseudonym Actius Sincerus, unter dem er in einem Dialog seines Förderers auftritt. Die nach Pontano benannte Akademie, die tatsächlich aber schon seit 1458 unter Beccadellis Vorsitz im Castel Nuovo in Neapel tagte, leitete Sannazaro nach Pontanos Tod 1503 bzw. seiner eigenen Rückkehr nach Neapel 1505. Seiner tiefen Verehrung für Vergil trug Sannazaro noch im Tod dadurch Rechnung, dass er sich in der von ihm gestifteten und ein Jahr vor seinem Tod fertiggestellten Kirche Santa Maria del Parto in Mergellina bestatten ließ und damit sicherstellte, dass kein Dichter jemals näher an dem benachbarten Grab Vergils seine letzte Ruhe finden würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
In seiner literarischen Findungsphase in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts dichtete Sannazaro zunächst die italienischsprachige ‚Arcadia‘, die als Meilenstein der volkssprachigen Hirtendichtung gilt. In allen erhaltenen späteren Werken gab Sannazaro dem Lateinischen den Vorzug und errang vor allem durch sein Hauptwerk, das Bibelepos De partu virginis, den Ruf eines christlichen Vergil. Wie viele Dichter (nicht nur) seiner Epoche stilisierte auch Sannazaro seine eigene Dichterbiographie nach dem vergilischen Modell und maß daher der Bukolik, in die er sich in der Volkssprache schon eingeschrieben hatte, eine große Rolle bei, erneuerte mit den Eclogae piscatoriae die Gattung aber zugleich auch durch die Transposition der bukolischen Hirten in Fischer am Golf von Neapel, die jedoch ebenso unermüdlich wie ihre Ahnen auf dem Festland von Liebe, Verlangen und Tod singen. Auch in den Piscatoria versucht Sannazaro sich an Aitiologien, etwa zum Ortsnamen Posilippo. Ein weiteres aitiologisches Werk mittleren Umfangs liegt mit den [[Jacopo Sannazaro, Salices|Salices]] vor, in dem, ähnlich wie in der hier zur Lektüre vorgeschlagenen Aitiologie, die Metamorphose in Weiden die letzte Zuflucht der von Göttern bedrängten Nymphen ist. Den umfangreichsten Einzelposten im Oeuvre unseres Dichters bilden jedoch die Epigramme, die, an die unterschiedlichsten Adressaten gerichtet und ein breites Spektrum an Themen und Anlässen behandelnd, das Leben des Humanisten literarisch begleiteten und verarbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
In den drei Büchern von Sannazaros Elegien mit insgesamt 24 Gedichten nimmt die Entstehungsgeschichte des Maulbeerbaums eine Sonderstellung insofern ein, als es die einzige aitiologische von ingesamt wenigen narrativen Elegien darstellt. Auch ist sie im Gegensatz zu den meisten anderen Elegien nicht an einen namentlich genannten Adressaten gerichtet, sei dieser ein realer Zeitgenosse wie Alfons II., Ferdinands Sohn und vorletzter aragonesischer König von Neapel (2, 1), eine Gottheit wie Bacchus (2, 5) oder die anonyme Masse seiner Kritiker (1, 11). Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich jedoch bei weitem nicht um den einzigen aitiologischen Text Sannazaros. Für eine Verwendung im Lektüreunterricht eignet sich die Elegie allerdings weit besser sowohl als die umfangreicheren Salices als auch als die vierte Fischerekloge, in der der Meeresgott Proteus eine Vielzahl, oft etymologischer, Aitiologien für Landmarken im Umfeld des Golfs wiedergibt, die aber nicht nur eine genauere Kenntnis der genannten Orte erfordern, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Gattungskonventionen der Bukolik. Elegie 2, 4 präsentiert sich demgegenüber als eine kompakte, narrativ geschlossene aitiologische Metamorphose, deren Spiel mit dem Vorbild Ovid unmittelbar evident wird und die Bauformen ovidischer Metamorphosen prägnant offenlegt. Doch selbst ohne Kenntnis der zahlreichen intertextuell gegenwärtigen Mythen des augusteischen Dichters überzeugt Sannazaros Elegie durch eine spürbare dichterische, aber nicht in antiquarischer oder philologischer Gelehrsamkeit verrätselte Sprache und zahlreiche Anknüpfungspunkte für kreative und problematisierende Interpretationen. Bei der Lektüre wird das humanistische Wetteifern mit antiken Modellen als ein sehr lebendiges Stück intellektuellen Lebensstils greifbar: Der nachantike Dichter augmentiert seine eigene Lebenswirklichkeit mit selbst kreierten mythologischen Realien in antiken Formen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx pdf.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx docx.docx|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro Eleg. 2 4 odt.odt|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Jacopo Sannazaro|Jacopo Sannazaro]]&lt;br /&gt;
[[Category:16. Jahrhundert|16. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;br /&gt;
[[Category:Lernjahr_6]]&lt;br /&gt;
[[Category:Oberstufe]]&lt;br /&gt;
[[Category:Ovidrezeption|Ovidrezeption]]&lt;br /&gt;
[[Category:Metamorphosen|Metamorphosen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Kategorie:Basinio_da_Parma&amp;diff=1265</id>
		<title>Kategorie:Basinio da Parma</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Kategorie:Basinio_da_Parma&amp;diff=1265"/>
		<updated>2022-05-24T17:39:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Category:Autoren]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Kategorie:Epos&amp;diff=1264</id>
		<title>Kategorie:Epos</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Kategorie:Epos&amp;diff=1264"/>
		<updated>2022-05-24T17:39:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Category:Gattungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Kategorie:Epos&amp;diff=1263</id>
		<title>Kategorie:Epos</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Kategorie:Epos&amp;diff=1263"/>
		<updated>2022-05-24T17:38:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: Leere Seite erstellt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Basinio_da_Parma,_Hesperis&amp;diff=1262</id>
		<title>Basinio da Parma, Hesperis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Basinio_da_Parma,_Hesperis&amp;diff=1262"/>
		<updated>2022-05-24T17:38:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
[[Datei:Rimini SarkophagBasinio.jpg|mini|Sarkophag Basinio da Parmas am Tempio Malatestiano in Rimini]]&lt;br /&gt;
Basinio da Parma, geboren 1425 bei Parma und verstorben 1457 in Rimini, gehört trotz seiner kurzen Lebensspanne zu den bedeutendsten lateinischen Dichtern des 15. Jahrhunderts und der humanistischen Literatur insgesamt. Das liegt zunächst an der Fülle und der Breite seines Schaffens: Basinio legte neben zahlreichen kleinen epischen und elegischen Texten mit dem Liber Isottaeus einen literatursoziologisch hochspannenden panegyrischen Elegienzyklus und mit der Meleagris, den Astronomicon libri und insbesondere der Hesperis Meilensteine in der hexametrischen Dichtung seiner Epoche vor (dazu mehr unter ‚Werk‘). Zudem verdichtet sich in Basinios professioneller Biographie als Dichter aber auch der zwar nicht spezifisch, in jedem Fall aber typisch humanistische Werdegang eines Hofdichters und beruflichen Literaten, der zwischen seinen panegyrischen Obliegenheiten und dem Beharren auf der eigenen künstlerischen Autonomie in steten Aushandlungsprozessen stand. Nach einer frühen Ausbildung in der Heimatstadt Parma und Studien bei Vittorion da Feltre in Mantua gelang es ihm früh und dank der Förderung seines Lehrers Guarino Veronese, am Hof der Este in Ferrara, wohin er seinem Griechischlehrer Theodorus Gaza gefolgt war, auf sich aufmerksam zu machen: Für Markgraf Leonello d’Este verfasste er die Meleagris, in der er die für einen Aristokraten typische Jagdbegeisterung des Adressaten mit seiner eigenen profunden mythographischen Kenntnis und Fähigkeit, schnell hochwertige lateinische Verse in großem Umfang zu verfertigen, verband. Kleinere Tätigkeiten in diplomatischen Dienstens des Este-Staates folgten, doch spätestens im Jahr 1449 orientierte Basinio sich nach Rimini, dessen Herrscher Sigismondo Malatesta in den 1440er-Jahren begonnen hatte, unter Aufbringung großer Mittel als Patron von Architektur, Kunst und Literatur von sich reden zu machen und einen humanistischen Hof um sich zu scharen. Die bis heute sichtbarsten Zeugnisse dieser Bestrebungen sind der Tempio Malatestiano genannte Umbau der Kathedralkirche San Francesco und das Castel Sismondo in Rimini. An der Planung beider war Leon Battista Alberti beteiligt. Auch bedeutende Maler wie Piero della Francesca oder der Medailleur Matteo de’Pasti erhielten Aufträge von Sigismondo. Basinio wurde spätestens mit dem Liber Isottaeus, einer Briefelegiensammlung, in der der Dichter Sigismondo, seine Mätresse Isotta degli Atti, deren Vater und sich selbst eine Stimme gibt, zu Sigismondos bevorzugtem Hofdichter und, neben Roberto Valturio, seinem engstem Vertrauter in kulturellen Fragen. Basinios intensivste Schaffensphase begann erst in Rimini: Dort verfasste er neben den Astronomicon libri, einem astronomischen Lehrgedicht, und einer fragmentarisch gebliebenen Argonautica vor allem die Hesperis, das mit knapp 7000 Versen bis dahin umfangreichste Epos der neulateinischen Literatur und auch das erste panegyrisch-zeitgeschichtliche Epos, das nicht unvollendet bzw. bloße, im Sinne einer recusatio kokettierende Ankündigung geblieben ist. Basinio wusste die Gunst seines Mäzens mit Leistung zu erwidern, aber auch seine eigene Position am Hofe streitbar zu untermauern. So gaben seine eigenen ausgezeichneten Griechischkenntnisse (er war von Papst Nikolaus V. ersucht worden, die Ilias zu übersetzen, und plante mit der Polydoreis sogar ein eigenes griechischsprachiges Epos) und der Mangel ebensolcher bei zwei seiner Konkurrenten am Hof, Porcellio Pandoni und Tommaso Seneca da Camerino ihm den Anlass zu wüsten wechselseitigen Polemiken und zur Untermauerung seiner Ausnahmestellung bei Hofe. Sigismondo Malatestas zunehmende Isolation nach dem Frieden von Lodi 1454 konnte Basinio noch zu Kenntnis nehmen, sie fand Eingang in sein panegyrisches Schaffen aber allenfalls in dem Nach- und Überdruck, mit dem der Dichter seinen Herrn (und sich selbst als dessen wichtigstes Sprachrohr) feierte – den Niedergang des Hauses Malatesta erlebte er aber nicht mehr: Bereits 1457 starb er, ohne sein Projekt einer Argonautica abgeschlossen zu haben. Sigismondo ließ den Dichter an prominenter Stelle in einem Sarkophag an der Flanke des Tempio Malatestiano bestatten – das von Basinio selbst verfasste und im Testament festgehaltene Grabepigramm Parma mihi patria est, sunt sidera carmen et arma ziert diesen allerdings nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
Auch wenn Basinio seinem literarischen Schaffen mit der Grabinschrift eine Sphragis geben zu wollen schien, die die heroische Hesperis gleichauf mit den didaktischen Astronomicon libri sieht, so ist in Umfang und Bedeutung doch ganz klar die Hesperis der Angel- und Gipfelpunkt seines Schaffens. Sein erstes Lebenszeichen war der Elegienzyklus Cyris, in dem er sich aus verschiedensten Situationen und Stationen an die Titelgebende Geliebte wendet: So erleben wir ihn dort etwa als Belagerten in diplomatischen Diensten der Este. Den ersten seiner literaturhistorischen Rekorde stellte er mit der Abfassung der Meleagris Mitte der 1440er-Jahre auf. Mit über 2000 Versen ist das Werk nicht nur das bis dahin längste mythologische Epos des Humanismus, es stellt auch die umfangreichste Bearbeitung des Stoffs, der Jagd auf den kalydonischen Eber, dar. Auch viele von Basinios Carmina varia, vom Autor selbst nicht als zusammenhängendes Werk angelegt, stammen aus seiner Zeit in Ferrara. Es handelt sich dabei überwiegend um Versepisteln an seinen Patron Leonello d’Este, aber auch an bedeutende Humanisten wie Maffeo Vegio und Künstler wie Matteo de’Pasti. Bedeutsam ist auch eine metrische Recusatio an Papst Nikolaus V., der an Basinio herangetreten sei mit der Bitte, die Ilias ins Lateinische zu übersetzen. Es fällt auf, dass Basinio nicht nur mit antiken Vorbildern in ein Spiel aus imitatio und aemulatio eintritt. Vor allem der genannte Maffeo Vegio ist es, den er aus wetteifernder Verehrung heraus in mehreren Projekten nachahmen und überbieten zu wollen scheint, sei es die Übertreffung von Vegios Astyanax durch Meleagris und die geplante griechische Polydoreis, die fragmentarische Argonautica als Antwort auf Vegios Vellus aureum oder eben die Hesperis mit ihren 13 Büchern als Gegenstück zu Vegios bekanntem 13. Buch der Aeneis. Der Anbahnung eines Karrieresprungs mit der Übersiedlung nach Rimini dienten in den Carmina varia zwei epische Versepisteln, die Sigismondo Malatestas militärische Erfolge im Piceno bzw. in Piombino preisen. Bemerkenswert bzw. symptomatisch für Basinios Dichtung ist hier der Umstand, dass er aus beiden wesentliche Partien in die Hesperis übernommen hat, allerdings nicht im bloßen Selbstplagiat, tatsächlich unterstreicht er durch Arrangement und Einbettung des bereits vorhandenen Materials gegenüber dem Widmungsadressaten, dass er seiner vollmundigen Ankündigung nachgekommen ist, die also nicht bloß kokettierende recusatio war. Zur elegischen Liebesdichtung zurück kehrt Basinio mit den vier Büchern des Liber Isottaeus, mit dem er den ovidischen Heroidenbrief in ganz eigenwilliger Weise aktualisiert. Sigismondo Malatesta hatte sich um 1445 in die wesentlich jüngere Isotta degli Atti, die Tochter eines lokalen Adligen, verliebt und die Affäre mit großem Aplomb inszeniert – so hat etwa die Umgestaltung einer Seitenkapelle von San Francesco zu ihrer Grablege den Anstoß für das Projekt des Tempio Malatestiano insgesamt gegeben. Im Isottaeus kommen nun Isotta, Sigismondo, Isottas Vater und Basinio selbst als personae in Briefkontakt, Sigismondo im Heerlager und Isotta daheim zergehen in wechselseitiger Sehnsucht, der Vater rät der Tochter davon ab, sich mit dem gottgleichen größten Krieger ihrer Zeit einzulassen, ist dann aber doch einverstanden mit der Liaison und der Dichter wird nicht müde, seine eigene Rolle in dem ganzen Drei- bis Viereck zu betonen. Gipfelpunkt ist der elegisch beklagte, aber frei erfundene Tod der jungen Isotta (die in der Realität Sigismondo um einige Jahre überleben sollte). Zwischen den Werken Basinios gibt es inhaltliche Querverweise und Kontinuitätslinien: So ist etwa Isottas Tod im Isottaeus Voraussetzung dafür, dass der Sigismondo der Hesperis ihren vergöttlichten Avatar Isothea auf der Insel der Glückseligen treffen kann, als Panegyriker schuf Basinio also eine komplexe, episch-elegisch story world, in der selbstbewusst und gewitzt mit den Figuren seines höfischen Nahumfelds spielen konnte. Die Fäden dieser Anlagen laufen in der Hesperis als ihrem vorläufigen Höhepunkt zusammen. Dass die fragmentarische Argonautica oder die Polydoreis, die Basinio nicht mehr fertig stellen konnte, Anteil an dieser Welt gehabt hätten, ist eher unwahrscheinlich, da sie nach Basinios Ausflügen in das zeithistorische Sujet ja wieder in der mythischen Vorzeit spielen – durch Widmung oder typologische Inbezugsetzung der antiken Heroen zu Sigismondo wären sie sicherlich dennoch erkennbar panegyrisch gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
Die hier als Lektüre vorgeschlagene kurze Passage entstammt dem zehnten Buch der Hesperis. Der Held Sigismondo Malatesta hat auf Aufforderung seines verstorbenen Vaters in einer nächtlichen Vision eine Seereise nach Westen zur Insel der Glückseligen unternommen, wo sich eine Liebesgeschichte mit dem göttlichen Avatar seiner Mätresse (in der Chronologie der Handlung) bzw. Ehefrau (textextern zum Zeitpunkt der Abfassung) Isotta degli Atti entfaltet und diese ihm auf einem ausgedehnten Unterweltgang die mythhistorische Tiefendimension seiner militärischen Unternehmungen erläutert. Eigentlich handelte sich dabei um zwei Feldzüge, bei der er eine Koalitionsarmee unter florentinischer Führung gegen die Expansionsbestrebungen des aragonesischen Neapel in der Toskana befehligte (1448 und 1452/53). In Basinios epischer Überhöhung wird daraus aber ein existenzieller Kampf der italischen Zivilisation gegen die „keltischen“ Barbaren und ihr Vielvölkerheer. Mit einer Analepse wird der Leser außerdem über Sigismondos Jugend und seine ersten erfolgreichen militärischen Operationen in Kenntnis gesetzt. Die Fahrt in den Westen ist, auch wenn sich viele ihrer Details über Bezüge zum zeitgenössischen Neuplatonismus und dantesken Anleihen erklären lassen, insgesamt eine der rätselhafteren Passagen in der Hesperis. Sie dient, schon angesichts des Umfangs, sicher nicht allein dazu, mit einer Art „lautem Schweigen“ zu überblenden, dass der Malatesta in den Jahren 1449-1452 vor allem mit regionalen Konflikten mit seinem – in der Hesperis gänzlich verschwiegenen – Erzrivalen Federico da Montefeltro von Urbino beschäftigt war, die er nicht zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Vielmehr legt die intensive Auseinandersetzung mit mythographischen, kosmologischen und historischen Sachverhalten, die der Unterweltgang und die Unterredungen Sigismondos mit dem Windgott Zephyrus mit sich bringen, eine andere Fährte: Die überblendeten Jahre fallen in eins mit Basinios Übersiedlung nach Rimini und dem Beginn seines erfolgreichen Wirkens am Malatesta-Hof – dass Sigismondo durch direkte Begegnung mit der Sphäre des Mythischen als ein Gewandelter zurückkehrt, der die Tragweite seines Auftrags begreift und sich z.B. auch nicht auf das nur scheinbar humanistische Argumentieren seines Gegenspielers einsetzt, dass er mithin sein humanistisches coming-of-age durchlebt hat, kann als Chiffre dafür gelesen werden, dass er mit Basinio nun endlich einen kundigen Hofhumanisten und -dichter an seinem Hof hat, der seiner würdig ist. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Positionierung zu Basinios Lehrer Guarino, der auch Sigismondo gut kannte (der Malatesta hat viel Zeit in Ferrara verbracht und dort wesentliche Teile seiner humanistischen Bildung erworben), besondere Relevanz. Basinio inszeniert eine Generationenwende in der humanistischen Gelehrsamkeit: Die alten Granden der Bewegung sind vom Erfolg träge und selbstgefällig geworden und haben die Zuwendungen – munera – spendabler Mäzene wie Sigismondo nicht mehr verdient. Mit brillantem Witz lässt er (den Übersetzergott und Schöpfer des Alphabets) Merkur den feisten Hirten Carinus, dem vom vielen Faulenzen im Gras der Rücken schon ganz grün geworden ist, in einen Frosch verwandeln, verdammt, in den Sümpfen des Po-Deltas seinen Namen vor sich hin zu quaken (Basinio spielt mit dem Namen Guarino Guarini). Was den humanistischen Kunstmythos hier zu mehr als einer bloßen Kopie der Metamorphose der Lykischen Bauern macht, ist die Einbindung einer hermeneutischen tieferen Ebene, die auch bei vielen Metamorphosen Ovids erst den Reiz ausmacht: In der Verwandlung bzw. ihrem Ergebnis tritt das Wesen des Verwandelten deutlich, vielleicht noch deutlicher als zuvor zutage – nicht ohne Grund ist idem die häufigste Rekurrenz im Text.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Basinio_Hesperis.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Basinio_Hesperis.pdf|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Basinio_Hesperis.pdf|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Basinio da Parma|Basinio da Parma]]&lt;br /&gt;
[[Category: Epos|Epos]]&lt;br /&gt;
[[Category: Aition|Aition]]&lt;br /&gt;
[[Category:15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;br /&gt;
[[Category:Lernjahr_6]]&lt;br /&gt;
[[Category:Oberstufe]]&lt;br /&gt;
[[Category:Ovidrezeption|Ovidrezeption]]&lt;br /&gt;
[[Category:Metamorphosen|Metamorphosen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Basinio_da_Parma,_Hesperis&amp;diff=1261</id>
		<title>Basinio da Parma, Hesperis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Basinio_da_Parma,_Hesperis&amp;diff=1261"/>
		<updated>2022-05-22T17:10:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
[[Datei:Rimini SarkophagBasinio.jpg|mini|Sarkophag Basinio da Parmas am Tempio Malatestiano in Rimini]]&lt;br /&gt;
Basinio da Parma, geboren 1425 bei Parma und verstorben 1457 in Rimini, gehört trotz seiner kurzen Lebensspanne zu den bedeutendsten lateinischen Dichtern des 15. Jahrhunderts und der humanistischen Literatur insgesamt. Das liegt zunächst an der Fülle und der Breite seines Schaffens: Basinio legte neben zahlreichen kleinen epischen und elegischen Texten mit dem Liber Isottaeus einen literatursoziologisch hochspannenden panegyrischen Elegienzyklus und mit der Meleagris, den Astronomicon libri und insbesondere der Hesperis Meilensteine in der hexametrischen Dichtung seiner Epoche vor (dazu mehr unter ‚Werk‘). Zudem verdichtet sich in Basinios professioneller Biographie als Dichter aber auch der zwar nicht spezifisch, in jedem Fall aber typisch humanistische Werdegang eines Hofdichters und beruflichen Literaten, der zwischen seinen panegyrischen Obliegenheiten und dem Beharren auf der eigenen künstlerischen Autonomie in steten Aushandlungsprozessen stand. Nach einer frühen Ausbildung in der Heimatstadt Parma und Studien bei Vittorion da Feltre in Mantua gelang es ihm früh und dank der Förderung seines Lehrers Guarino Veronese, am Hof der Este in Ferrara, wohin er seinem Griechischlehrer Theodorus Gaza gefolgt war, auf sich aufmerksam zu machen: Für Markgraf Leonello d’Este verfasste er die Meleagris, in der er die für einen Aristokraten typische Jagdbegeisterung des Adressaten mit seiner eigenen profunden mythographischen Kenntnis und Fähigkeit, schnell hochwertige lateinische Verse in großem Umfang zu verfertigen, verband. Kleinere Tätigkeiten in diplomatischen Dienstens des Este-Staates folgten, doch spätestens im Jahr 1449 orientierte Basinio sich nach Rimini, dessen Herrscher Sigismondo Malatesta in den 1440er-Jahren begonnen hatte, unter Aufbringung großer Mittel als Patron von Architektur, Kunst und Literatur von sich reden zu machen und einen humanistischen Hof um sich zu scharen. Die bis heute sichtbarsten Zeugnisse dieser Bestrebungen sind der Tempio Malatestiano genannte Umbau der Kathedralkirche San Francesco und das Castel Sismondo in Rimini. An der Planung beider war Leon Battista Alberti beteiligt. Auch bedeutende Maler wie Piero della Francesca oder der Medailleur Matteo de’Pasti erhielten Aufträge von Sigismondo. Basinio wurde spätestens mit dem Liber Isottaeus, einer Briefelegiensammlung, in der der Dichter Sigismondo, seine Mätresse Isotta degli Atti, deren Vater und sich selbst eine Stimme gibt, zu Sigismondos bevorzugtem Hofdichter und, neben Roberto Valturio, seinem engstem Vertrauter in kulturellen Fragen. Basinios intensivste Schaffensphase begann erst in Rimini: Dort verfasste er neben den Astronomicon libri, einem astronomischen Lehrgedicht, und einer fragmentarisch gebliebenen Argonautica vor allem die Hesperis, das mit knapp 7000 Versen bis dahin umfangreichste Epos der neulateinischen Literatur und auch das erste panegyrisch-zeitgeschichtliche Epos, das nicht unvollendet bzw. bloße, im Sinne einer recusatio kokettierende Ankündigung geblieben ist. Basinio wusste die Gunst seines Mäzens mit Leistung zu erwidern, aber auch seine eigene Position am Hofe streitbar zu untermauern. So gaben seine eigenen ausgezeichneten Griechischkenntnisse (er war von Papst Nikolaus V. ersucht worden, die Ilias zu übersetzen, und plante mit der Polydoreis sogar ein eigenes griechischsprachiges Epos) und der Mangel ebensolcher bei zwei seiner Konkurrenten am Hof, Porcellio Pandoni und Tommaso Seneca da Camerino ihm den Anlass zu wüsten wechselseitigen Polemiken und zur Untermauerung seiner Ausnahmestellung bei Hofe. Sigismondo Malatestas zunehmende Isolation nach dem Frieden von Lodi 1454 konnte Basinio noch zu Kenntnis nehmen, sie fand Eingang in sein panegyrisches Schaffen aber allenfalls in dem Nach- und Überdruck, mit dem der Dichter seinen Herrn (und sich selbst als dessen wichtigstes Sprachrohr) feierte – den Niedergang des Hauses Malatesta erlebte er aber nicht mehr: Bereits 1457 starb er, ohne sein Projekt einer Argonautica abgeschlossen zu haben. Sigismondo ließ den Dichter an prominenter Stelle in einem Sarkophag an der Flanke des Tempio Malatestiano bestatten – das von Basinio selbst verfasste und im Testament festgehaltene Grabepigramm Parma mihi patria est, sunt sidera carmen et arma ziert diesen allerdings nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
Auch wenn Basinio seinem literarischen Schaffen mit der Grabinschrift eine Sphragis geben zu wollen schien, die die heroische Hesperis gleichauf mit den didaktischen Astronomicon libri sieht, so ist in Umfang und Bedeutung doch ganz klar die Hesperis der Angel- und Gipfelpunkt seines Schaffens. Sein erstes Lebenszeichen war der Elegienzyklus Cyris, in dem er sich aus verschiedensten Situationen und Stationen an die Titelgebende Geliebte wendet: So erleben wir ihn dort etwa als Belagerten in diplomatischen Diensten der Este. Den ersten seiner literaturhistorischen Rekorde stellte er mit der Abfassung der Meleagris Mitte der 1440er-Jahre auf. Mit über 2000 Versen ist das Werk nicht nur das bis dahin längste mythologische Epos des Humanismus, es stellt auch die umfangreichste Bearbeitung des Stoffs, der Jagd auf den kalydonischen Eber, dar. Auch viele von Basinios Carmina varia, vom Autor selbst nicht als zusammenhängendes Werk angelegt, stammen aus seiner Zeit in Ferrara. Es handelt sich dabei überwiegend um Versepisteln an seinen Patron Leonello d’Este, aber auch an bedeutende Humanisten wie Maffeo Vegio und Künstler wie Matteo de’Pasti. Bedeutsam ist auch eine metrische Recusatio an Papst Nikolaus V., der an Basinio herangetreten sei mit der Bitte, die Ilias ins Lateinische zu übersetzen. Es fällt auf, dass Basinio nicht nur mit antiken Vorbildern in ein Spiel aus imitatio und aemulatio eintritt. Vor allem der genannte Maffeo Vegio ist es, den er aus wetteifernder Verehrung heraus in mehreren Projekten nachahmen und überbieten zu wollen scheint, sei es die Übertreffung von Vegios Astyanax durch Meleagris und die geplante griechische Polydoreis, die fragmentarische Argonautica als Antwort auf Vegios Vellus aureum oder eben die Hesperis mit ihren 13 Büchern als Gegenstück zu Vegios bekanntem 13. Buch der Aeneis. Der Anbahnung eines Karrieresprungs mit der Übersiedlung nach Rimini dienten in den Carmina varia zwei epische Versepisteln, die Sigismondo Malatestas militärische Erfolge im Piceno bzw. in Piombino preisen. Bemerkenswert bzw. symptomatisch für Basinios Dichtung ist hier der Umstand, dass er aus beiden wesentliche Partien in die Hesperis übernommen hat, allerdings nicht im bloßen Selbstplagiat, tatsächlich unterstreicht er durch Arrangement und Einbettung des bereits vorhandenen Materials gegenüber dem Widmungsadressaten, dass er seiner vollmundigen Ankündigung nachgekommen ist, die also nicht bloß kokettierende recusatio war. Zur elegischen Liebesdichtung zurück kehrt Basinio mit den vier Büchern des Liber Isottaeus, mit dem er den ovidischen Heroidenbrief in ganz eigenwilliger Weise aktualisiert. Sigismondo Malatesta hatte sich um 1445 in die wesentlich jüngere Isotta degli Atti, die Tochter eines lokalen Adligen, verliebt und die Affäre mit großem Aplomb inszeniert – so hat etwa die Umgestaltung einer Seitenkapelle von San Francesco zu ihrer Grablege den Anstoß für das Projekt des Tempio Malatestiano insgesamt gegeben. Im Isottaeus kommen nun Isotta, Sigismondo, Isottas Vater und Basinio selbst als personae in Briefkontakt, Sigismondo im Heerlager und Isotta daheim zergehen in wechselseitiger Sehnsucht, der Vater rät der Tochter davon ab, sich mit dem gottgleichen größten Krieger ihrer Zeit einzulassen, ist dann aber doch einverstanden mit der Liaison und der Dichter wird nicht müde, seine eigene Rolle in dem ganzen Drei- bis Viereck zu betonen. Gipfelpunkt ist der elegisch beklagte, aber frei erfundene Tod der jungen Isotta (die in der Realität Sigismondo um einige Jahre überleben sollte). Zwischen den Werken Basinios gibt es inhaltliche Querverweise und Kontinuitätslinien: So ist etwa Isottas Tod im Isottaeus Voraussetzung dafür, dass der Sigismondo der Hesperis ihren vergöttlichten Avatar Isothea auf der Insel der Glückseligen treffen kann, als Panegyriker schuf Basinio also eine komplexe, episch-elegisch story world, in der selbstbewusst und gewitzt mit den Figuren seines höfischen Nahumfelds spielen konnte. Die Fäden dieser Anlagen laufen in der Hesperis als ihrem vorläufigen Höhepunkt zusammen. Dass die fragmentarische Argonautica oder die Polydoreis, die Basinio nicht mehr fertig stellen konnte, Anteil an dieser Welt gehabt hätten, ist eher unwahrscheinlich, da sie nach Basinios Ausflügen in das zeithistorische Sujet ja wieder in der mythischen Vorzeit spielen – durch Widmung oder typologische Inbezugsetzung der antiken Heroen zu Sigismondo wären sie sicherlich dennoch erkennbar panegyrisch gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
Die hier als Lektüre vorgeschlagene kurze Passage entstammt dem zehnten Buch der Hesperis. Der Held Sigismondo Malatesta hat auf Aufforderung seines verstorbenen Vaters in einer nächtlichen Vision eine Seereise nach Westen zur Insel der Glückseligen unternommen, wo sich eine Liebesgeschichte mit dem göttlichen Avatar seiner Mätresse (in der Chronologie der Handlung) bzw. Ehefrau (textextern zum Zeitpunkt der Abfassung) Isotta degli Atti entfaltet und diese ihm auf einem ausgedehnten Unterweltgang die mythhistorische Tiefendimension seiner militärischen Unternehmungen erläutert. Eigentlich handelte sich dabei um zwei Feldzüge, bei der er eine Koalitionsarmee unter florentinischer Führung gegen die Expansionsbestrebungen des aragonesischen Neapel in der Toskana befehligte (1448 und 1452/53). In Basinios epischer Überhöhung wird daraus aber ein existenzieller Kampf der italischen Zivilisation gegen die „keltischen“ Barbaren und ihr Vielvölkerheer. Mit einer Analepse wird der Leser außerdem über Sigismondos Jugend und seine ersten erfolgreichen militärischen Operationen in Kenntnis gesetzt. Die Fahrt in den Westen ist, auch wenn sich viele ihrer Details über Bezüge zum zeitgenössischen Neuplatonismus und dantesken Anleihen erklären lassen, insgesamt eine der rätselhafteren Passagen in der Hesperis. Sie dient, schon angesichts des Umfangs, sicher nicht allein dazu, mit einer Art „lautem Schweigen“ zu überblenden, dass der Malatesta in den Jahren 1449-1452 vor allem mit regionalen Konflikten mit seinem – in der Hesperis gänzlich verschwiegenen – Erzrivalen Federico da Montefeltro von Urbino beschäftigt war, die er nicht zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Vielmehr legt die intensive Auseinandersetzung mit mythographischen, kosmologischen und historischen Sachverhalten, die der Unterweltgang und die Unterredungen Sigismondos mit dem Windgott Zephyrus mit sich bringen, eine andere Fährte: Die überblendeten Jahre fallen in eins mit Basinios Übersiedlung nach Rimini und dem Beginn seines erfolgreichen Wirkens am Malatesta-Hof – dass Sigismondo durch direkte Begegnung mit der Sphäre des Mythischen als ein Gewandelter zurückkehrt, der die Tragweite seines Auftrags begreift und sich z.B. auch nicht auf das nur scheinbar humanistische Argumentieren seines Gegenspielers einsetzt, dass er mithin sein humanistisches coming-of-age durchlebt hat, kann als Chiffre dafür gelesen werden, dass er mit Basinio nun endlich einen kundigen Hofhumanisten und -dichter an seinem Hof hat, der seiner würdig ist. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Positionierung zu Basinios Lehrer Guarino, der auch Sigismondo gut kannte (der Malatesta hat viel Zeit in Ferrara verbracht und dort wesentliche Teile seiner humanistischen Bildung erworben), besondere Relevanz. Basinio inszeniert eine Generationenwende in der humanistischen Gelehrsamkeit: Die alten Granden der Bewegung sind vom Erfolg träge und selbstgefällig geworden und haben die Zuwendungen – munera – spendabler Mäzene wie Sigismondo nicht mehr verdient. Mit brillantem Witz lässt er (den Übersetzergott und Schöpfer des Alphabets) Merkur den feisten Hirten Carinus, dem vom vielen Faulenzen im Gras der Rücken schon ganz grün geworden ist, in einen Frosch verwandeln, verdammt, in den Sümpfen des Po-Deltas seinen Namen vor sich hin zu quaken (Basinio spielt mit dem Namen Guarino Guarini). Was den humanistischen Kunstmythos hier zu mehr als einer bloßen Kopie der Metamorphose der Lykischen Bauern macht, ist die Einbindung einer hermeneutischen tieferen Ebene, die auch bei vielen Metamorphosen Ovids erst den Reiz ausmacht: In der Verwandlung bzw. ihrem Ergebnis tritt das Wesen des Verwandelten deutlich, vielleicht noch deutlicher als zuvor zutage – nicht ohne Grund ist idem die häufigste Rekurrenz im Text.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Basinio_Hesperis.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Basinio_Hesperis.pdf|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Basinio_Hesperis.pdf|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Basinio da Parma|Basinio da Parma]]&lt;br /&gt;
[[Category:15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;br /&gt;
[[Category:Lernjahr_6]]&lt;br /&gt;
[[Category:Oberstufe]]&lt;br /&gt;
[[Category:Ovidrezeption|Ovidrezeption]]&lt;br /&gt;
[[Category:Metamorphosen|Metamorphosen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Rimini_SarkophagBasinio.jpg&amp;diff=1260</id>
		<title>Datei:Rimini SarkophagBasinio.jpg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Rimini_SarkophagBasinio.jpg&amp;diff=1260"/>
		<updated>2022-05-22T17:08:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Sarkophag Basinio da Parmas am Tempio Malatestiano in Rimini&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Basinio_Hesperis.odt&amp;diff=1259</id>
		<title>Datei:Basinio Hesperis.odt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Basinio_Hesperis.odt&amp;diff=1259"/>
		<updated>2022-05-22T17:02:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Basinio_Hesperis.docx&amp;diff=1258</id>
		<title>Datei:Basinio Hesperis.docx</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Basinio_Hesperis.docx&amp;diff=1258"/>
		<updated>2022-05-22T17:02:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Basinio_Hesperis.pdf&amp;diff=1257</id>
		<title>Datei:Basinio Hesperis.pdf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Basinio_Hesperis.pdf&amp;diff=1257"/>
		<updated>2022-05-22T17:01:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Kategorie:Basinio_da_Parma&amp;diff=1256</id>
		<title>Kategorie:Basinio da Parma</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Kategorie:Basinio_da_Parma&amp;diff=1256"/>
		<updated>2022-05-22T17:00:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: Leere Seite erstellt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Basinio_da_Parma,_Hesperis&amp;diff=1255</id>
		<title>Basinio da Parma, Hesperis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Basinio_da_Parma,_Hesperis&amp;diff=1255"/>
		<updated>2022-05-22T17:00:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Basinio da Parma, geboren 1425 bei Parma und verstorben 1457 in Rimini, gehört trotz seiner kurzen Lebensspanne zu den bedeutendsten lateinischen Dichtern des 15. Jahrhunderts und der humanistischen Literatur insgesamt. Das liegt zunächst an der Fülle und der Breite seines Schaffens: Basinio legte neben zahlreichen kleinen epischen und elegischen Texten mit dem Liber Isottaeus einen literatursoziologisch hochspannenden panegyrischen Elegienzyklus und mit der Meleagris, den Astronomicon libri und insbesondere der Hesperis Meilensteine in der hexametrischen Dichtung seiner Epoche vor (dazu mehr unter ‚Werk‘). Zudem verdichtet sich in Basinios professioneller Biographie als Dichter aber auch der zwar nicht spezifisch, in jedem Fall aber typisch humanistische Werdegang eines Hofdichters und beruflichen Literaten, der zwischen seinen panegyrischen Obliegenheiten und dem Beharren auf der eigenen künstlerischen Autonomie in steten Aushandlungsprozessen stand. Nach einer frühen Ausbildung in der Heimatstadt Parma und Studien bei Vittorion da Feltre in Mantua gelang es ihm früh und dank der Förderung seines Lehrers Guarino Veronese, am Hof der Este in Ferrara, wohin er seinem Griechischlehrer Theodorus Gaza gefolgt war, auf sich aufmerksam zu machen: Für Markgraf Leonello d’Este verfasste er die Meleagris, in der er die für einen Aristokraten typische Jagdbegeisterung des Adressaten mit seiner eigenen profunden mythographischen Kenntnis und Fähigkeit, schnell hochwertige lateinische Verse in großem Umfang zu verfertigen, verband. Kleinere Tätigkeiten in diplomatischen Dienstens des Este-Staates folgten, doch spätestens im Jahr 1449 orientierte Basinio sich nach Rimini, dessen Herrscher Sigismondo Malatesta in den 1440er-Jahren begonnen hatte, unter Aufbringung großer Mittel als Patron von Architektur, Kunst und Literatur von sich reden zu machen und einen humanistischen Hof um sich zu scharen. Die bis heute sichtbarsten Zeugnisse dieser Bestrebungen sind der Tempio Malatestiano genannte Umbau der Kathedralkirche San Francesco und das Castel Sismondo in Rimini. An der Planung beider war Leon Battista Alberti beteiligt. Auch bedeutende Maler wie Piero della Francesca oder der Medailleur Matteo de’Pasti erhielten Aufträge von Sigismondo. Basinio wurde spätestens mit dem Liber Isottaeus, einer Briefelegiensammlung, in der der Dichter Sigismondo, seine Mätresse Isotta degli Atti, deren Vater und sich selbst eine Stimme gibt, zu Sigismondos bevorzugtem Hofdichter und, neben Roberto Valturio, seinem engstem Vertrauter in kulturellen Fragen. Basinios intensivste Schaffensphase begann erst in Rimini: Dort verfasste er neben den Astronomicon libri, einem astronomischen Lehrgedicht, und einer fragmentarisch gebliebenen Argonautica vor allem die Hesperis, das mit knapp 7000 Versen bis dahin umfangreichste Epos der neulateinischen Literatur und auch das erste panegyrisch-zeitgeschichtliche Epos, das nicht unvollendet bzw. bloße, im Sinne einer recusatio kokettierende Ankündigung geblieben ist. Basinio wusste die Gunst seines Mäzens mit Leistung zu erwidern, aber auch seine eigene Position am Hofe streitbar zu untermauern. So gaben seine eigenen ausgezeichneten Griechischkenntnisse (er war von Papst Nikolaus V. ersucht worden, die Ilias zu übersetzen, und plante mit der Polydoreis sogar ein eigenes griechischsprachiges Epos) und der Mangel ebensolcher bei zwei seiner Konkurrenten am Hof, Porcellio Pandoni und Tommaso Seneca da Camerino ihm den Anlass zu wüsten wechselseitigen Polemiken und zur Untermauerung seiner Ausnahmestellung bei Hofe. Sigismondo Malatestas zunehmende Isolation nach dem Frieden von Lodi 1454 konnte Basinio noch zu Kenntnis nehmen, sie fand Eingang in sein panegyrisches Schaffen aber allenfalls in dem Nach- und Überdruck, mit dem der Dichter seinen Herrn (und sich selbst als dessen wichtigstes Sprachrohr) feierte – den Niedergang des Hauses Malatesta erlebte er aber nicht mehr: Bereits 1457 starb er, ohne sein Projekt einer Argonautica abgeschlossen zu haben. Sigismondo ließ den Dichter an prominenter Stelle in einem Sarkophag an der Flanke des Tempio Malatestiano bestatten – das von Basinio selbst verfasste und im Testament festgehaltene Grabepigramm Parma mihi patria est, sunt sidera carmen et arma ziert diesen allerdings nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
Auch wenn Basinio seinem literarischen Schaffen mit der Grabinschrift eine Sphragis geben zu wollen schien, die die heroische Hesperis gleichauf mit den didaktischen Astronomicon libri sieht, so ist in Umfang und Bedeutung doch ganz klar die Hesperis der Angel- und Gipfelpunkt seines Schaffens. Sein erstes Lebenszeichen war der Elegienzyklus Cyris, in dem er sich aus verschiedensten Situationen und Stationen an die Titelgebende Geliebte wendet: So erleben wir ihn dort etwa als Belagerten in diplomatischen Diensten der Este. Den ersten seiner literaturhistorischen Rekorde stellte er mit der Abfassung der Meleagris Mitte der 1440er-Jahre auf. Mit über 2000 Versen ist das Werk nicht nur das bis dahin längste mythologische Epos des Humanismus, es stellt auch die umfangreichste Bearbeitung des Stoffs, der Jagd auf den kalydonischen Eber, dar. Auch viele von Basinios Carmina varia, vom Autor selbst nicht als zusammenhängendes Werk angelegt, stammen aus seiner Zeit in Ferrara. Es handelt sich dabei überwiegend um Versepisteln an seinen Patron Leonello d’Este, aber auch an bedeutende Humanisten wie Maffeo Vegio und Künstler wie Matteo de’Pasti. Bedeutsam ist auch eine metrische Recusatio an Papst Nikolaus V., der an Basinio herangetreten sei mit der Bitte, die Ilias ins Lateinische zu übersetzen. Es fällt auf, dass Basinio nicht nur mit antiken Vorbildern in ein Spiel aus imitatio und aemulatio eintritt. Vor allem der genannte Maffeo Vegio ist es, den er aus wetteifernder Verehrung heraus in mehreren Projekten nachahmen und überbieten zu wollen scheint, sei es die Übertreffung von Vegios Astyanax durch Meleagris und die geplante griechische Polydoreis, die fragmentarische Argonautica als Antwort auf Vegios Vellus aureum oder eben die Hesperis mit ihren 13 Büchern als Gegenstück zu Vegios bekanntem 13. Buch der Aeneis. Der Anbahnung eines Karrieresprungs mit der Übersiedlung nach Rimini dienten in den Carmina varia zwei epische Versepisteln, die Sigismondo Malatestas militärische Erfolge im Piceno bzw. in Piombino preisen. Bemerkenswert bzw. symptomatisch für Basinios Dichtung ist hier der Umstand, dass er aus beiden wesentliche Partien in die Hesperis übernommen hat, allerdings nicht im bloßen Selbstplagiat, tatsächlich unterstreicht er durch Arrangement und Einbettung des bereits vorhandenen Materials gegenüber dem Widmungsadressaten, dass er seiner vollmundigen Ankündigung nachgekommen ist, die also nicht bloß kokettierende recusatio war. Zur elegischen Liebesdichtung zurück kehrt Basinio mit den vier Büchern des Liber Isottaeus, mit dem er den ovidischen Heroidenbrief in ganz eigenwilliger Weise aktualisiert. Sigismondo Malatesta hatte sich um 1445 in die wesentlich jüngere Isotta degli Atti, die Tochter eines lokalen Adligen, verliebt und die Affäre mit großem Aplomb inszeniert – so hat etwa die Umgestaltung einer Seitenkapelle von San Francesco zu ihrer Grablege den Anstoß für das Projekt des Tempio Malatestiano insgesamt gegeben. Im Isottaeus kommen nun Isotta, Sigismondo, Isottas Vater und Basinio selbst als personae in Briefkontakt, Sigismondo im Heerlager und Isotta daheim zergehen in wechselseitiger Sehnsucht, der Vater rät der Tochter davon ab, sich mit dem gottgleichen größten Krieger ihrer Zeit einzulassen, ist dann aber doch einverstanden mit der Liaison und der Dichter wird nicht müde, seine eigene Rolle in dem ganzen Drei- bis Viereck zu betonen. Gipfelpunkt ist der elegisch beklagte, aber frei erfundene Tod der jungen Isotta (die in der Realität Sigismondo um einige Jahre überleben sollte). Zwischen den Werken Basinios gibt es inhaltliche Querverweise und Kontinuitätslinien: So ist etwa Isottas Tod im Isottaeus Voraussetzung dafür, dass der Sigismondo der Hesperis ihren vergöttlichten Avatar Isothea auf der Insel der Glückseligen treffen kann, als Panegyriker schuf Basinio also eine komplexe, episch-elegisch story world, in der selbstbewusst und gewitzt mit den Figuren seines höfischen Nahumfelds spielen konnte. Die Fäden dieser Anlagen laufen in der Hesperis als ihrem vorläufigen Höhepunkt zusammen. Dass die fragmentarische Argonautica oder die Polydoreis, die Basinio nicht mehr fertig stellen konnte, Anteil an dieser Welt gehabt hätten, ist eher unwahrscheinlich, da sie nach Basinios Ausflügen in das zeithistorische Sujet ja wieder in der mythischen Vorzeit spielen – durch Widmung oder typologische Inbezugsetzung der antiken Heroen zu Sigismondo wären sie sicherlich dennoch erkennbar panegyrisch gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
Die hier als Lektüre vorgeschlagene kurze Passage entstammt dem zehnten Buch der Hesperis. Der Held Sigismondo Malatesta hat auf Aufforderung seines verstorbenen Vaters in einer nächtlichen Vision eine Seereise nach Westen zur Insel der Glückseligen unternommen, wo sich eine Liebesgeschichte mit dem göttlichen Avatar seiner Mätresse (in der Chronologie der Handlung) bzw. Ehefrau (textextern zum Zeitpunkt der Abfassung) Isotta degli Atti entfaltet und diese ihm auf einem ausgedehnten Unterweltgang die mythhistorische Tiefendimension seiner militärischen Unternehmungen erläutert. Eigentlich handelte sich dabei um zwei Feldzüge, bei der er eine Koalitionsarmee unter florentinischer Führung gegen die Expansionsbestrebungen des aragonesischen Neapel in der Toskana befehligte (1448 und 1452/53). In Basinios epischer Überhöhung wird daraus aber ein existenzieller Kampf der italischen Zivilisation gegen die „keltischen“ Barbaren und ihr Vielvölkerheer. Mit einer Analepse wird der Leser außerdem über Sigismondos Jugend und seine ersten erfolgreichen militärischen Operationen in Kenntnis gesetzt. Die Fahrt in den Westen ist, auch wenn sich viele ihrer Details über Bezüge zum zeitgenössischen Neuplatonismus und dantesken Anleihen erklären lassen, insgesamt eine der rätselhafteren Passagen in der Hesperis. Sie dient, schon angesichts des Umfangs, sicher nicht allein dazu, mit einer Art „lautem Schweigen“ zu überblenden, dass der Malatesta in den Jahren 1449-1452 vor allem mit regionalen Konflikten mit seinem – in der Hesperis gänzlich verschwiegenen – Erzrivalen Federico da Montefeltro von Urbino beschäftigt war, die er nicht zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Vielmehr legt die intensive Auseinandersetzung mit mythographischen, kosmologischen und historischen Sachverhalten, die der Unterweltgang und die Unterredungen Sigismondos mit dem Windgott Zephyrus mit sich bringen, eine andere Fährte: Die überblendeten Jahre fallen in eins mit Basinios Übersiedlung nach Rimini und dem Beginn seines erfolgreichen Wirkens am Malatesta-Hof – dass Sigismondo durch direkte Begegnung mit der Sphäre des Mythischen als ein Gewandelter zurückkehrt, der die Tragweite seines Auftrags begreift und sich z.B. auch nicht auf das nur scheinbar humanistische Argumentieren seines Gegenspielers einsetzt, dass er mithin sein humanistisches coming-of-age durchlebt hat, kann als Chiffre dafür gelesen werden, dass er mit Basinio nun endlich einen kundigen Hofhumanisten und -dichter an seinem Hof hat, der seiner würdig ist. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Positionierung zu Basinios Lehrer Guarino, der auch Sigismondo gut kannte (der Malatesta hat viel Zeit in Ferrara verbracht und dort wesentliche Teile seiner humanistischen Bildung erworben), besondere Relevanz. Basinio inszeniert eine Generationenwende in der humanistischen Gelehrsamkeit: Die alten Granden der Bewegung sind vom Erfolg träge und selbstgefällig geworden und haben die Zuwendungen – munera – spendabler Mäzene wie Sigismondo nicht mehr verdient. Mit brillantem Witz lässt er (den Übersetzergott und Schöpfer des Alphabets) Merkur den feisten Hirten Carinus, dem vom vielen Faulenzen im Gras der Rücken schon ganz grün geworden ist, in einen Frosch verwandeln, verdammt, in den Sümpfen des Po-Deltas seinen Namen vor sich hin zu quaken (Basinio spielt mit dem Namen Guarino Guarini). Was den humanistischen Kunstmythos hier zu mehr als einer bloßen Kopie der Metamorphose der Lykischen Bauern macht, ist die Einbindung einer hermeneutischen tieferen Ebene, die auch bei vielen Metamorphosen Ovids erst den Reiz ausmacht: In der Verwandlung bzw. ihrem Ergebnis tritt das Wesen des Verwandelten deutlich, vielleicht noch deutlicher als zuvor zutage – nicht ohne Grund ist idem die häufigste Rekurrenz im Text.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Basinio_Hesperis.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Basinio_Hesperis.pdf|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Basinio_Hesperis.pdf|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Basinio da Parma|Basinio da Parma]]&lt;br /&gt;
[[Category:15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;br /&gt;
[[Category:Lernjahr_6]]&lt;br /&gt;
[[Category:Oberstufe]]&lt;br /&gt;
[[Category:Ovidrezeption|Ovidrezeption]]&lt;br /&gt;
[[Category:Metamorphosen|Metamorphosen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Salices&amp;diff=1254</id>
		<title>Jacopo Sannazaro, Salices</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Salices&amp;diff=1254"/>
		<updated>2022-05-22T16:58:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Jacopo Sannazaro (1458-1530) gehört zur ersten Generation neapolitanischer Humanisten, die vollständig unter der Herrschaft der Könige des Hauses Aragon (seit 1443) aufwuchsen und von deren immenser kultureller Patronage profitierten. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern, dem aus Palermo stammenden Antonio Beccadelli (1394-1471) und dem Umbrer Giovanni Pontano (1429-1503), die das Ideal des gelehrten und schreibenden Politikers der frühen Renaissance verkörperten (insbesondere Pontano war neben der Führung der Staatsgeschäfte eines der bedeutendsten Staaten Italiens zugleich als Dichter produktiver als fast alle seiner Zeitgenossen), widmete Sannazaro sein Leben ganz überwiegend der Literatur. Dafür konnte er bis zur Vertreibung der aragonesischen Könige aus Neapel 1501 auf deren Förderung zählen – Ferdinand II., den Sannazaro ins Exil begleitete, aus dem er allerdings 1505 schon wieder nach Neapel zurückkehrte, hatte dem Dichter noch 1499 ein stattliches Anwesen geschenkt. Die Patronage des Königshauses wurde maßgeblich vermittelt durch Giovanni Pontano, den Entdecker und Förderer Sannazaros. Pontano verdankte er auch sein humanistisches Pseudonym Actius Sincerus, unter dem er in einem Dialog seines Förderers auftritt. Die nach Pontano benannte Akademie, die tatsächlich aber schon seit 1458 unter Beccadellis Vorsitz im Castel Nuovo in Neapel tagte, leitete Sannazaro nach Pontanos Tod 1503 bzw. seiner eigenen Rückkehr nach Neapel 1505. Seiner tiefen Verehrung für Vergil trug Sannazaro noch im Tod dadurch Rechnung, dass er sich in der von ihm gestifteten und ein Jahr vor seinem Tod fertiggestellten Kirche Santa Maria del Parto in Mergellina bestatten ließ und damit sicherstellte, dass kein Dichter jemals näher an dem benachbarten Grab Vergils seine letzte Ruhe finden würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
In seiner literarischen Findungsphase in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts dichtete Sannazaro zunächst die italienischsprachige ‚Arcadia‘, die als Meilenstein der volkssprachigen Hirtendichtung gilt. In allen erhaltenen späteren Werken gab Sannazaro dem Lateinischen den Vorzug und errang vor allem durch sein Hauptwerk, das Bibelepos De partu virginis, den Ruf eines christlichen Vergil. Wie viele Dichter (nicht nur) seiner Epoche stilisierte auch Sannazaro seine eigene Dichterbiographie nach dem vergilischen Modell und maß daher der Bukolik, in die er sich in der Volkssprache schon eingeschrieben hatte, eine große Rolle bei, erneuerte mit den Eclogae piscatoriae die Gattung aber zugleich auch durch die Transposition der bukolischen Hirten in Fischer am Golf von Neapel, die jedoch ebenso unermüdlich wie ihre Ahnen auf dem Festland von Liebe, Verlangen und Tod singen. Neben Vergil arbeitete Sannazaro sich jedoch in ähnlichem Ausmaß auch an Ovid ab: In den Piscatoria und den ‚Elegien‘ versucht Sannazaro sich an Aitiologien, etwa zum Ortsnamen Posilippo. Ein weiteres aitiologisches Werk mittleren Umfangs liegt mit den Salices vor, in dem, ähnlich wie in der hier zur Lektüre vorgeschlagenen Aitiologie, die Metamorphose in Weiden die letzte Zuflucht der von Göttern bedrängten Nymphen ist. Den umfangreichsten Einzelposten im Oeuvre unseres Dichters bilden jedoch die Epigramme, die, an die unterschiedlichsten Adressaten gerichtet und ein breites Spektrum an Themen und Anlässen behandelnd, das Leben des Humanisten literarisch begleiteten und verarbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
Die Salices übertreffen im Umfang die längsten von Sannazaros ‚Elegien‘ und ‚Epigrammen‘ nicht, nehmen aber trotzdem eine Sonderstellung in seinem Werk ein, da sie als einziges aitiologisches Gedicht separat überliefert sind. Sannazaro legte sie als eine epische Versepistel an einen seiner Gönner an, in der er in der antiken Tradition der recusatio das Ausbleiben eines versprochenen größeren Werkes zu entschuldigen bittet. Widmungsadressat ist der adlige Traiano Cavaniglia, der unter der aragonesischen Herrschaft über Neapel und Kampanien mit den Grafschaften Montella und Troia belehnt wurde. Die näher an Neapel gelegene von beiden Herrschaften, Montella, ist bekannt für ihren Reichtum an Quellen, aus denen mehrere bedeutende Flüsse Süditaliens gespeist werden. Unweit von Montella entspringt auch einer der beiden Hauptzuflüsse des Sarno, dem wir in den Salices als Flussgott in der Rolle des Peneus aus Ovids Darstellung des Daphne-Mythos begegnen. Damit ist einer der möglichen Anlässe gegeben, warum Sannazaro für Cavaniglia die vorliegende Metamorphose gedichtet oder sie ihm zumindest gewidmet haben könnte: Es ist unter humanistischen Dichtern in der Korrespondenz mit ihren Gönnern üblich geworden, diesen in Nachahmung und Überbietung von Statius‘ Silvae Aitiologien gewissermaßen ‚vor die Haustür‘ zu dichten. Sollte Sannazaro seinen Adressaten in Montella besucht haben, wird er den Großteil des Weges über den – zu jener Zeit noch schiffbaren – Sarno zurückgelegt und auf der Fahrt die den Uferverlauf säumenden Weiden betrachtet haben; ob es sich tatsächlich um Trauerweiden gehandelt hat, wie die Beschreibung in dem Gedicht zumindest dem Phänotyp nach nahelegt, muss dahingestellt bleiben: Die erste botanische Beschreibung der echten Trauerweide (Salix babylonica) ist mehr als 100 Jahre nach Sannazaros Gedicht entstanden, die Züchtung aus der Silberweide (Salix alba tristis) stammt sogar erst aus dem 19. Jahrhundert. Allerdings macht Sannazaros sich auch an anderer Stelle ein dichterisches Vergnügen daraus, botanische Realien seiner Lebenswirklichkeit, die sich der antiken Systematik entzogen, aitiologisch in den antikisierenden Diskurs einzupflegen (in der [[Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4|‚Elegie‘ 2, 4]] ist es der weiße Maulbeerbaum). Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Sarno mag aber auch ein antiker Münzfund gewesen sein (Antiquarismus ist eine weitere bedeutende Facette der humanistischen Auseinandersetzung mit der Antike gewesen): Aus Nocera (dem römischen Nuceria) sind zahlreiche Darstellungen eines Flussgottes Sarnus mit Widderhörnern belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro_Salices.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro_Salices.docx|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro_Salices.odt|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Jacopo Sannazaro|Jacopo Sannazaro]]&lt;br /&gt;
[[Category:16. Jahrhundert|16. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;br /&gt;
[[Category:Lernjahr_6]]&lt;br /&gt;
[[Category:Oberstufe]]&lt;br /&gt;
[[Category:Ovidrezeption|Ovidrezeption]]&lt;br /&gt;
[[Category:Metamorphosen|Metamorphosen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Basinio_da_Parma,_Hesperis&amp;diff=1253</id>
		<title>Basinio da Parma, Hesperis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Basinio_da_Parma,_Hesperis&amp;diff=1253"/>
		<updated>2022-05-22T16:58:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: Die Seite wurde neu angelegt: „===Autor=== Basinio da Parma, geboren 1425 bei Parma und verstorben 1457 in Rimini, gehört trotz seiner kurzen Lebensspanne zu den bedeutendsten lateinischen…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Basinio da Parma, geboren 1425 bei Parma und verstorben 1457 in Rimini, gehört trotz seiner kurzen Lebensspanne zu den bedeutendsten lateinischen Dichtern des 15. Jahrhunderts und der humanistischen Literatur insgesamt. Das liegt zunächst an der Fülle und der Breite seines Schaffens: Basinio legte neben zahlreichen kleinen epischen und elegischen Texten mit dem Liber Isottaeus einen literatursoziologisch hochspannenden panegyrischen Elegienzyklus und mit der Meleagris, den Astronomicon libri und insbesondere der Hesperis Meilensteine in der hexametrischen Dichtung seiner Epoche vor (dazu mehr unter ‚Werk‘). Zudem verdichtet sich in Basinios professioneller Biographie als Dichter aber auch der zwar nicht spezifisch, in jedem Fall aber typisch humanistische Werdegang eines Hofdichters und beruflichen Literaten, der zwischen seinen panegyrischen Obliegenheiten und dem Beharren auf der eigenen künstlerischen Autonomie in steten Aushandlungsprozessen stand. Nach einer frühen Ausbildung in der Heimatstadt Parma und Studien bei Vittorion da Feltre in Mantua gelang es ihm früh und dank der Förderung seines Lehrers Guarino Veronese, am Hof der Este in Ferrara, wohin er seinem Griechischlehrer Theodorus Gaza gefolgt war, auf sich aufmerksam zu machen: Für Markgraf Leonello d’Este verfasste er die Meleagris, in der er die für einen Aristokraten typische Jagdbegeisterung des Adressaten mit seiner eigenen profunden mythographischen Kenntnis und Fähigkeit, schnell hochwertige lateinische Verse in großem Umfang zu verfertigen, verband. Kleinere Tätigkeiten in diplomatischen Dienstens des Este-Staates folgten, doch spätestens im Jahr 1449 orientierte Basinio sich nach Rimini, dessen Herrscher Sigismondo Malatesta in den 1440er-Jahren begonnen hatte, unter Aufbringung großer Mittel als Patron von Architektur, Kunst und Literatur von sich reden zu machen und einen humanistischen Hof um sich zu scharen. Die bis heute sichtbarsten Zeugnisse dieser Bestrebungen sind der Tempio Malatestiano genannte Umbau der Kathedralkirche San Francesco und das Castel Sismondo in Rimini. An der Planung beider war Leon Battista Alberti beteiligt. Auch bedeutende Maler wie Piero della Francesca oder der Medailleur Matteo de’Pasti erhielten Aufträge von Sigismondo. Basinio wurde spätestens mit dem Liber Isottaeus, einer Briefelegiensammlung, in der der Dichter Sigismondo, seine Mätresse Isotta degli Atti, deren Vater und sich selbst eine Stimme gibt, zu Sigismondos bevorzugtem Hofdichter und, neben Roberto Valturio, seinem engstem Vertrauter in kulturellen Fragen. Basinios intensivste Schaffensphase begann erst in Rimini: Dort verfasste er neben den Astronomicon libri, einem astronomischen Lehrgedicht, und einer fragmentarisch gebliebenen Argonautica vor allem die Hesperis, das mit knapp 7000 Versen bis dahin umfangreichste Epos der neulateinischen Literatur und auch das erste panegyrisch-zeitgeschichtliche Epos, das nicht unvollendet bzw. bloße, im Sinne einer recusatio kokettierende Ankündigung geblieben ist. Basinio wusste die Gunst seines Mäzens mit Leistung zu erwidern, aber auch seine eigene Position am Hofe streitbar zu untermauern. So gaben seine eigenen ausgezeichneten Griechischkenntnisse (er war von Papst Nikolaus V. ersucht worden, die Ilias zu übersetzen, und plante mit der Polydoreis sogar ein eigenes griechischsprachiges Epos) und der Mangel ebensolcher bei zwei seiner Konkurrenten am Hof, Porcellio Pandoni und Tommaso Seneca da Camerino ihm den Anlass zu wüsten wechselseitigen Polemiken und zur Untermauerung seiner Ausnahmestellung bei Hofe. Sigismondo Malatestas zunehmende Isolation nach dem Frieden von Lodi 1454 konnte Basinio noch zu Kenntnis nehmen, sie fand Eingang in sein panegyrisches Schaffen aber allenfalls in dem Nach- und Überdruck, mit dem der Dichter seinen Herrn (und sich selbst als dessen wichtigstes Sprachrohr) feierte – den Niedergang des Hauses Malatesta erlebte er aber nicht mehr: Bereits 1457 starb er, ohne sein Projekt einer Argonautica abgeschlossen zu haben. Sigismondo ließ den Dichter an prominenter Stelle in einem Sarkophag an der Flanke des Tempio Malatestiano bestatten – das von Basinio selbst verfasste und im Testament festgehaltene Grabepigramm Parma mihi patria est, sunt sidera carmen et arma ziert diesen allerdings nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
Auch wenn Basinio seinem literarischen Schaffen mit der Grabinschrift eine Sphragis geben zu wollen schien, die die heroische Hesperis gleichauf mit den didaktischen Astronomicon libri sieht, so ist in Umfang und Bedeutung doch ganz klar die Hesperis der Angel- und Gipfelpunkt seines Schaffens. Sein erstes Lebenszeichen war der Elegienzyklus Cyris, in dem er sich aus verschiedensten Situationen und Stationen an die Titelgebende Geliebte wendet: So erleben wir ihn dort etwa als Belagerten in diplomatischen Diensten der Este. Den ersten seiner literaturhistorischen Rekorde stellte er mit der Abfassung der Meleagris Mitte der 1440er-Jahre auf. Mit über 2000 Versen ist das Werk nicht nur das bis dahin längste mythologische Epos des Humanismus, es stellt auch die umfangreichste Bearbeitung des Stoffs, der Jagd auf den kalydonischen Eber, dar. Auch viele von Basinios Carmina varia, vom Autor selbst nicht als zusammenhängendes Werk angelegt, stammen aus seiner Zeit in Ferrara. Es handelt sich dabei überwiegend um Versepisteln an seinen Patron Leonello d’Este, aber auch an bedeutende Humanisten wie Maffeo Vegio und Künstler wie Matteo de’Pasti. Bedeutsam ist auch eine metrische Recusatio an Papst Nikolaus V., der an Basinio herangetreten sei mit der Bitte, die Ilias ins Lateinische zu übersetzen. Es fällt auf, dass Basinio nicht nur mit antiken Vorbildern in ein Spiel aus imitatio und aemulatio eintritt. Vor allem der genannte Maffeo Vegio ist es, den er aus wetteifernder Verehrung heraus in mehreren Projekten nachahmen und überbieten zu wollen scheint, sei es die Übertreffung von Vegios Astyanax durch Meleagris und die geplante griechische Polydoreis, die fragmentarische Argonautica als Antwort auf Vegios Vellus aureum oder eben die Hesperis mit ihren 13 Büchern als Gegenstück zu Vegios bekanntem 13. Buch der Aeneis. Der Anbahnung eines Karrieresprungs mit der Übersiedlung nach Rimini dienten in den Carmina varia zwei epische Versepisteln, die Sigismondo Malatestas militärische Erfolge im Piceno bzw. in Piombino preisen. Bemerkenswert bzw. symptomatisch für Basinios Dichtung ist hier der Umstand, dass er aus beiden wesentliche Partien in die Hesperis übernommen hat, allerdings nicht im bloßen Selbstplagiat, tatsächlich unterstreicht er durch Arrangement und Einbettung des bereits vorhandenen Materials gegenüber dem Widmungsadressaten, dass er seiner vollmundigen Ankündigung nachgekommen ist, die also nicht bloß kokettierende recusatio war. Zur elegischen Liebesdichtung zurück kehrt Basinio mit den vier Büchern des Liber Isottaeus, mit dem er den ovidischen Heroidenbrief in ganz eigenwilliger Weise aktualisiert. Sigismondo Malatesta hatte sich um 1445 in die wesentlich jüngere Isotta degli Atti, die Tochter eines lokalen Adligen, verliebt und die Affäre mit großem Aplomb inszeniert – so hat etwa die Umgestaltung einer Seitenkapelle von San Francesco zu ihrer Grablege den Anstoß für das Projekt des Tempio Malatestiano insgesamt gegeben. Im Isottaeus kommen nun Isotta, Sigismondo, Isottas Vater und Basinio selbst als personae in Briefkontakt, Sigismondo im Heerlager und Isotta daheim zergehen in wechselseitiger Sehnsucht, der Vater rät der Tochter davon ab, sich mit dem gottgleichen größten Krieger ihrer Zeit einzulassen, ist dann aber doch einverstanden mit der Liaison und der Dichter wird nicht müde, seine eigene Rolle in dem ganzen Drei- bis Viereck zu betonen. Gipfelpunkt ist der elegisch beklagte, aber frei erfundene Tod der jungen Isotta (die in der Realität Sigismondo um einige Jahre überleben sollte). Zwischen den Werken Basinios gibt es inhaltliche Querverweise und Kontinuitätslinien: So ist etwa Isottas Tod im Isottaeus Voraussetzung dafür, dass der Sigismondo der Hesperis ihren vergöttlichten Avatar Isothea auf der Insel der Glückseligen treffen kann, als Panegyriker schuf Basinio also eine komplexe, episch-elegisch story world, in der selbstbewusst und gewitzt mit den Figuren seines höfischen Nahumfelds spielen konnte. Die Fäden dieser Anlagen laufen in der Hesperis als ihrem vorläufigen Höhepunkt zusammen. Dass die fragmentarische Argonautica oder die Polydoreis, die Basinio nicht mehr fertig stellen konnte, Anteil an dieser Welt gehabt hätten, ist eher unwahrscheinlich, da sie nach Basinios Ausflügen in das zeithistorische Sujet ja wieder in der mythischen Vorzeit spielen – durch Widmung oder typologische Inbezugsetzung der antiken Heroen zu Sigismondo wären sie sicherlich dennoch erkennbar panegyrisch gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
Die hier als Lektüre vorgeschlagene kurze Passage entstammt dem zehnten Buch der Hesperis. Der Held Sigismondo Malatesta hat auf Aufforderung seines verstorbenen Vaters in einer nächtlichen Vision eine Seereise nach Westen zur Insel der Glückseligen unternommen, wo sich eine Liebesgeschichte mit dem göttlichen Avatar seiner Mätresse (in der Chronologie der Handlung) bzw. Ehefrau (textextern zum Zeitpunkt der Abfassung) Isotta degli Atti entfaltet und diese ihm auf einem ausgedehnten Unterweltgang die mythhistorische Tiefendimension seiner militärischen Unternehmungen erläutert. Eigentlich handelte sich dabei um zwei Feldzüge, bei der er eine Koalitionsarmee unter florentinischer Führung gegen die Expansionsbestrebungen des aragonesischen Neapel in der Toskana befehligte (1448 und 1452/53). In Basinios epischer Überhöhung wird daraus aber ein existenzieller Kampf der italischen Zivilisation gegen die „keltischen“ Barbaren und ihr Vielvölkerheer. Mit einer Analepse wird der Leser außerdem über Sigismondos Jugend und seine ersten erfolgreichen militärischen Operationen in Kenntnis gesetzt. Die Fahrt in den Westen ist, auch wenn sich viele ihrer Details über Bezüge zum zeitgenössischen Neuplatonismus und dantesken Anleihen erklären lassen, insgesamt eine der rätselhafteren Passagen in der Hesperis. Sie dient, schon angesichts des Umfangs, sicher nicht allein dazu, mit einer Art „lautem Schweigen“ zu überblenden, dass der Malatesta in den Jahren 1449-1452 vor allem mit regionalen Konflikten mit seinem – in der Hesperis gänzlich verschwiegenen – Erzrivalen Federico da Montefeltro von Urbino beschäftigt war, die er nicht zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Vielmehr legt die intensive Auseinandersetzung mit mythographischen, kosmologischen und historischen Sachverhalten, die der Unterweltgang und die Unterredungen Sigismondos mit dem Windgott Zephyrus mit sich bringen, eine andere Fährte: Die überblendeten Jahre fallen in eins mit Basinios Übersiedlung nach Rimini und dem Beginn seines erfolgreichen Wirkens am Malatesta-Hof – dass Sigismondo durch direkte Begegnung mit der Sphäre des Mythischen als ein Gewandelter zurückkehrt, der die Tragweite seines Auftrags begreift und sich z.B. auch nicht auf das nur scheinbar humanistische Argumentieren seines Gegenspielers einsetzt, dass er mithin sein humanistisches coming-of-age durchlebt hat, kann als Chiffre dafür gelesen werden, dass er mit Basinio nun endlich einen kundigen Hofhumanisten und -dichter an seinem Hof hat, der seiner würdig ist. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Positionierung zu Basinios Lehrer Guarino, der auch Sigismondo gut kannte (der Malatesta hat viel Zeit in Ferrara verbracht und dort wesentliche Teile seiner humanistischen Bildung erworben), besondere Relevanz. Basinio inszeniert eine Generationenwende in der humanistischen Gelehrsamkeit: Die alten Granden der Bewegung sind vom Erfolg träge und selbstgefällig geworden und haben die Zuwendungen – munera – spendabler Mäzene wie Sigismondo nicht mehr verdient. Mit brillantem Witz lässt er (den Übersetzergott und Schöpfer des Alphabets) Merkur den feisten Hirten Carinus, dem vom vielen Faulenzen im Gras der Rücken schon ganz grün geworden ist, in einen Frosch verwandeln, verdammt, in den Sümpfen des Po-Deltas seinen Namen vor sich hin zu quaken (Basinio spielt mit dem Namen Guarino Guarini). Was den humanistischen Kunstmythos hier zu mehr als einer bloßen Kopie der Metamorphose der Lykischen Bauern macht, ist die Einbindung einer hermeneutischen tieferen Ebene, die auch bei vielen Metamorphosen Ovids erst den Reiz ausmacht: In der Verwandlung bzw. ihrem Ergebnis tritt das Wesen des Verwandelten deutlich, vielleicht noch deutlicher als zuvor zutage – nicht ohne Grund ist idem die häufigste Rekurrenz im Text.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Salices&amp;diff=992</id>
		<title>Jacopo Sannazaro, Salices</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Salices&amp;diff=992"/>
		<updated>2022-04-13T11:43:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Jacopo Sannazaro (1458-1530) gehört zur ersten Generation neapolitanischer Humanisten, die vollständig unter der Herrschaft der Könige des Hauses Aragon (seit 1443) aufwuchsen und von deren immenser kultureller Patronage profitierten. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern, dem aus Palermo stammenden Antonio Beccadelli (1394-1471) und dem Umbrer Giovanni Pontano (1429-1503), die das Ideal des gelehrten und schreibenden Politikers der frühen Renaissance verkörperten (insbesondere Pontano war neben der Führung der Staatsgeschäfte eines der bedeutendsten Staaten Italiens zugleich als Dichter produktiver als fast alle seiner Zeitgenossen), widmete Sannazaro sein Leben ganz überwiegend der Literatur. Dafür konnte er bis zur Vertreibung der aragonesischen Könige aus Neapel 1501 auf deren Förderung zählen – Ferdinand II., den Sannazaro ins Exil begleitete, aus dem er allerdings 1505 schon wieder nach Neapel zurückkehrte, hatte dem Dichter noch 1499 ein stattliches Anwesen geschenkt. Die Patronage des Königshauses wurde maßgeblich vermittelt durch Giovanni Pontano, den Entdecker und Förderer Sannazaros. Pontano verdankte er auch sein humanistisches Pseudonym Actius Sincerus, unter dem er in einem Dialog seines Förderers auftritt. Die nach Pontano benannte Akademie, die tatsächlich aber schon seit 1458 unter Beccadellis Vorsitz im Castel Nuovo in Neapel tagte, leitete Sannazaro nach Pontanos Tod 1503 bzw. seiner eigenen Rückkehr nach Neapel 1505. Seiner tiefen Verehrung für Vergil trug Sannazaro noch im Tod dadurch Rechnung, dass er sich in der von ihm gestifteten und ein Jahr vor seinem Tod fertiggestellten Kirche Santa Maria del Parto in Mergellina bestatten ließ und damit sicherstellte, dass kein Dichter jemals näher an dem benachbarten Grab Vergils seine letzte Ruhe finden würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
In seiner literarischen Findungsphase in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts dichtete Sannazaro zunächst die italienischsprachige ‚Arcadia‘, die als Meilenstein der volkssprachigen Hirtendichtung gilt. In allen erhaltenen späteren Werken gab Sannazaro dem Lateinischen den Vorzug und errang vor allem durch sein Hauptwerk, das Bibelepos De partu virginis, den Ruf eines christlichen Vergil. Wie viele Dichter (nicht nur) seiner Epoche stilisierte auch Sannazaro seine eigene Dichterbiographie nach dem vergilischen Modell und maß daher der Bukolik, in die er sich in der Volkssprache schon eingeschrieben hatte, eine große Rolle bei, erneuerte mit den Eclogae piscatoriae die Gattung aber zugleich auch durch die Transposition der bukolischen Hirten in Fischer am Golf von Neapel, die jedoch ebenso unermüdlich wie ihre Ahnen auf dem Festland von Liebe, Verlangen und Tod singen. Neben Vergil arbeitete Sannazaro sich jedoch in ähnlichem Ausmaß auch an Ovid ab: In den Piscatoria und den ‚Elegien‘ versucht Sannazaro sich an Aitiologien, etwa zum Ortsnamen Posilippo. Ein weiteres aitiologisches Werk mittleren Umfangs liegt mit den Salices vor, in dem, ähnlich wie in der hier zur Lektüre vorgeschlagenen Aitiologie, die Metamorphose in Weiden die letzte Zuflucht der von Göttern bedrängten Nymphen ist. Den umfangreichsten Einzelposten im Oeuvre unseres Dichters bilden jedoch die Epigramme, die, an die unterschiedlichsten Adressaten gerichtet und ein breites Spektrum an Themen und Anlässen behandelnd, das Leben des Humanisten literarisch begleiteten und verarbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
Die Salices übertreffen im Umfang die längsten von Sannazaros ‚Elegien‘ und ‚Epigrammen‘ nicht, nehmen aber trotzdem eine Sonderstellung in seinem Werk ein, da sie als einziges aitiologisches Gedicht separat überliefert sind. Sannazaro legte sie als eine epische Versepistel an einen seiner Gönner an, in der er in der antiken Tradition der recusatio das Ausbleiben eines versprochenen größeren Werkes zu entschuldigen bittet. Widmungsadressat ist der adlige Traiano Cavaniglia, der unter der aragonesischen Herrschaft über Neapel und Kampanien mit den Grafschaften Montella und Troia belehnt wurde. Die näher an Neapel gelegene von beiden Herrschaften, Montella, ist bekannt für ihren Reichtum an Quellen, aus denen mehrere bedeutende Flüsse Süditaliens gespeist werden. Unweit von Montella entspringt auch einer der beiden Hauptzuflüsse des Sarno, dem wir in den Salices als Flussgott in der Rolle des Peneus aus Ovids Darstellung des Daphne-Mythos begegnen. Damit ist einer der möglichen Anlässe gegeben, warum Sannazaro für Cavaniglia die vorliegende Metamorphose gedichtet oder sie ihm zumindest gewidmet haben könnte: Es ist unter humanistischen Dichtern in der Korrespondenz mit ihren Gönnern üblich geworden, diesen in Nachahmung und Überbietung von Statius‘ Silvae Aitiologien gewissermaßen ‚vor die Haustür‘ zu dichten. Sollte Sannazaro seinen Adressaten in Montella besucht haben, wird er den Großteil des Weges über den – zu jener Zeit noch schiffbaren – Sarno zurückgelegt und auf der Fahrt die den Uferverlauf säumenden Weiden betrachtet haben; ob es sich tatsächlich um Trauerweiden gehandelt hat, wie die Beschreibung in dem Gedicht zumindest dem Phänotyp nach nahelegt, muss dahingestellt bleiben: Die erste botanische Beschreibung der echten Trauerweide (Salix babylonica) ist mehr als 100 Jahre nach Sannazaros Gedicht entstanden, die Züchtung aus der Silberweide (Salix alba tristis) stammt sogar erst aus dem 19. Jahrhundert. Allerdings macht Sannazaros sich auch an anderer Stelle ein dichterisches Vergnügen daraus, botanische Realien seiner Lebenswirklichkeit, die sich der antiken Systematik entzogen, aitiologisch in den antikisierenden Diskurs einzupflegen (in der [[Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4|‚Elegie‘ 2, 4]] ist es der weiße Maulbeerbaum). Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Sarno mag aber auch ein antiker Münzfund gewesen sein (Antiquarismus ist eine weitere bedeutende Facette der humanistischen Auseinandersetzung mit der Antike gewesen): Aus Nocera (dem römischen Nuceria) sind zahlreiche Darstellungen eines Flussgottes Sarnus mit Widderhörnern belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro_Salices.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro_Salices.docx|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro_Salices.odt|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Jacopo Sannazaro|Jacopo Sannazaro]]&lt;br /&gt;
[[Category:15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;br /&gt;
[[Category:Lernjahr_6]]&lt;br /&gt;
[[Category:Oberstufe]]&lt;br /&gt;
[[Category:Ovidrezeption|Ovidrezeption]]&lt;br /&gt;
[[Category:Metamorphosen|Metamorphosen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4&amp;diff=991</id>
		<title>Jacopo Sannazaro, Elegiae 2, 4</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4&amp;diff=991"/>
		<updated>2022-04-13T11:43:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Jacopo Sannazaro (1458-1530) gehört zur ersten Generation neapolitanischer Humanisten, die vollständig unter der Herrschaft der Könige des Hauses Aragon (seit 1443) aufwuchsen und von deren immenser kultureller Patronage profitierten. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern, dem aus Palermo stammenden Antonio Beccadelli (1394-1471) und dem Umbrer Giovanni Pontano (1429-1503), die das Ideal des gelehrten und schreibenden Politikers der frühen Renaissance verkörperten (insbesondere Pontano war neben der Führung der Staatsgeschäfte eines der bedeutendsten Staaten Italiens zugleich als Dichter produktiver als fast alle seiner Zeitgenossen), widmete Sannazaro sein Leben ganz überwiegend der Literatur. Dafür konnte er bis zur Vertreibung der aragonesischen Könige aus Neapel 1501 auf deren Förderung zählen – Ferdinand II., den Sannazaro ins Exil begleitete, aus dem er allerdings 1505 schon wieder nach Neapel zurückkehrte, hatte dem Dichter noch 1499 ein stattliches Anwesen geschenkt. Die Patronage des Königshauses wurde maßgeblich vermittelt durch Giovanni Pontano, den Entdecker und Förderer Sannazaros. Pontano verdankte er auch sein humanistisches Pseudonym Actius Sincerus, unter dem er in einem Dialog seines Förderers auftritt. Die nach Pontano benannte Akademie, die tatsächlich aber schon seit 1458 unter Beccadellis Vorsitz im Castel Nuovo in Neapel tagte, leitete Sannazaro nach Pontanos Tod 1503 bzw. seiner eigenen Rückkehr nach Neapel 1505. Seiner tiefen Verehrung für Vergil trug Sannazaro noch im Tod dadurch Rechnung, dass er sich in der von ihm gestifteten und ein Jahr vor seinem Tod fertiggestellten Kirche Santa Maria del Parto in Mergellina bestatten ließ und damit sicherstellte, dass kein Dichter jemals näher an dem benachbarten Grab Vergils seine letzte Ruhe finden würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
In seiner literarischen Findungsphase in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts dichtete Sannazaro zunächst die italienischsprachige ‚Arcadia‘, die als Meilenstein der volkssprachigen Hirtendichtung gilt. In allen erhaltenen späteren Werken gab Sannazaro dem Lateinischen den Vorzug und errang vor allem durch sein Hauptwerk, das Bibelepos De partu virginis, den Ruf eines christlichen Vergil. Wie viele Dichter (nicht nur) seiner Epoche stilisierte auch Sannazaro seine eigene Dichterbiographie nach dem vergilischen Modell und maß daher der Bukolik, in die er sich in der Volkssprache schon eingeschrieben hatte, eine große Rolle bei, erneuerte mit den Eclogae piscatoriae die Gattung aber zugleich auch durch die Transposition der bukolischen Hirten in Fischer am Golf von Neapel, die jedoch ebenso unermüdlich wie ihre Ahnen auf dem Festland von Liebe, Verlangen und Tod singen. Auch in den Piscatoria versucht Sannazaro sich an Aitiologien, etwa zum Ortsnamen Posilippo. Ein weiteres aitiologisches Werk mittleren Umfangs liegt mit den [[Jacopo Sannazaro, Salices|Salices]] vor, in dem, ähnlich wie in der hier zur Lektüre vorgeschlagenen Aitiologie, die Metamorphose in Weiden die letzte Zuflucht der von Göttern bedrängten Nymphen ist. Den umfangreichsten Einzelposten im Oeuvre unseres Dichters bilden jedoch die Epigramme, die, an die unterschiedlichsten Adressaten gerichtet und ein breites Spektrum an Themen und Anlässen behandelnd, das Leben des Humanisten literarisch begleiteten und verarbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
In den drei Büchern von Sannazaros Elegien mit insgesamt 24 Gedichten nimmt die Entstehungsgeschichte des Maulbeerbaums eine Sonderstellung insofern ein, als es die einzige aitiologische von ingesamt wenigen narrativen Elegien darstellt. Auch ist sie im Gegensatz zu den meisten anderen Elegien nicht an einen namentlich genannten Adressaten gerichtet, sei dieser ein realer Zeitgenosse wie Alfons II., Ferdinands Sohn und vorletzter aragonesischer König von Neapel (2, 1), eine Gottheit wie Bacchus (2, 5) oder die anonyme Masse seiner Kritiker (1, 11). Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich jedoch bei weitem nicht um den einzigen aitiologischen Text Sannazaros. Für eine Verwendung im Lektüreunterricht eignet sich die Elegie allerdings weit besser sowohl als die umfangreicheren Salices als auch als die vierte Fischerekloge, in der der Meeresgott Proteus eine Vielzahl, oft etymologischer, Aitiologien für Landmarken im Umfeld des Golfs wiedergibt, die aber nicht nur eine genauere Kenntnis der genannten Orte erfordern, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Gattungskonventionen der Bukolik. Elegie 2, 4 präsentiert sich demgegenüber als eine kompakte, narrativ geschlossene aitiologische Metamorphose, deren Spiel mit dem Vorbild Ovid unmittelbar evident wird und die Bauformen ovidischer Metamorphosen prägnant offenlegt. Doch selbst ohne Kenntnis der zahlreichen intertextuell gegenwärtigen Mythen des augusteischen Dichters überzeugt Sannazaros Elegie durch eine spürbare dichterische, aber nicht in antiquarischer oder philologischer Gelehrsamkeit verrätselte Sprache und zahlreiche Anknüpfungspunkte für kreative und problematisierende Interpretationen. Bei der Lektüre wird das humanistische Wetteifern mit antiken Modellen als ein sehr lebendiges Stück intellektuellen Lebensstils greifbar: Der nachantike Dichter augmentiert seine eigene Lebenswirklichkeit mit selbst kreierten mythologischen Realien in antiken Formen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx pdf.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx docx.docx|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro Eleg. 2 4 odt.odt|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Jacopo Sannazaro|Jacopo Sannazaro]]&lt;br /&gt;
[[Category:15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;br /&gt;
[[Category:Lernjahr_6]]&lt;br /&gt;
[[Category:Oberstufe]]&lt;br /&gt;
[[Category:Ovidrezeption|Ovidrezeption]]&lt;br /&gt;
[[Category:Metamorphosen|Metamorphosen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Salices&amp;diff=990</id>
		<title>Jacopo Sannazaro, Salices</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Salices&amp;diff=990"/>
		<updated>2022-04-13T10:14:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Jacopo Sannazaro (1458-1530) gehört zur ersten Generation neapolitanischer Humanisten, die vollständig unter der Herrschaft der Könige des Hauses Aragon (seit 1443) aufwuchsen und von deren immenser kultureller Patronage profitierten. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern, dem aus Palermo stammenden Antonio Beccadelli (1394-1471) und dem Umbrer Giovanni Pontano (1429-1503), die das Ideal des gelehrten und schreibenden Politikers der frühen Renaissance verkörperten (insbesondere Pontano war neben der Führung der Staatsgeschäfte eines der bedeutendsten Staaten Italiens zugleich als Dichter produktiver als fast alle seiner Zeitgenossen), widmete Sannazaro sein Leben ganz überwiegend der Literatur. Dafür konnte er bis zur Vertreibung der aragonesischen Könige aus Neapel 1501 auf deren Förderung zählen – Ferdinand II., den Sannazaro ins Exil begleitete, aus dem er allerdings 1505 schon wieder nach Neapel zurückkehrte, hatte dem Dichter noch 1499 ein stattliches Anwesen geschenkt. Die Patronage des Königshauses wurde maßgeblich vermittelt durch Giovanni Pontano, den Entdecker und Förderer Sannazaros. Pontano verdankte er auch sein humanistisches Pseudonym Actius Sincerus, unter dem er in einem Dialog seines Förderers auftritt. Die nach Pontano benannte Akademie, die tatsächlich aber schon seit 1458 unter Beccadellis Vorsitz im Castel Nuovo in Neapel tagte, leitete Sannazaro nach Pontanos Tod 1503 bzw. seiner eigenen Rückkehr nach Neapel 1505. Seiner tiefen Verehrung für Vergil trug Sannazaro noch im Tod dadurch Rechnung, dass er sich in der von ihm gestifteten und ein Jahr vor seinem Tod fertiggestellten Kirche Santa Maria del Parto in Mergellina bestatten ließ und damit sicherstellte, dass kein Dichter jemals näher an dem benachbarten Grab Vergils seine letzte Ruhe finden würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
In seiner literarischen Findungsphase in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts dichtete Sannazaro zunächst die italienischsprachige ‚Arcadia‘, die als Meilenstein der volkssprachigen Hirtendichtung gilt. In allen erhaltenen späteren Werken gab Sannazaro dem Lateinischen den Vorzug und errang vor allem durch sein Hauptwerk, das Bibelepos De partu virginis, den Ruf eines christlichen Vergil. Wie viele Dichter (nicht nur) seiner Epoche stilisierte auch Sannazaro seine eigene Dichterbiographie nach dem vergilischen Modell und maß daher der Bukolik, in die er sich in der Volkssprache schon eingeschrieben hatte, eine große Rolle bei, erneuerte mit den Eclogae piscatoriae die Gattung aber zugleich auch durch die Transposition der bukolischen Hirten in Fischer am Golf von Neapel, die jedoch ebenso unermüdlich wie ihre Ahnen auf dem Festland von Liebe, Verlangen und Tod singen. Neben Vergil arbeitete Sannazaro sich jedoch in ähnlichem Ausmaß auch an Ovid ab: In den Piscatoria und den ‚Elegien‘ versucht Sannazaro sich an Aitiologien, etwa zum Ortsnamen Posilippo. Ein weiteres aitiologisches Werk mittleren Umfangs liegt mit den Salices vor, in dem, ähnlich wie in der hier zur Lektüre vorgeschlagenen Aitiologie, die Metamorphose in Weiden die letzte Zuflucht der von Göttern bedrängten Nymphen ist. Den umfangreichsten Einzelposten im Oeuvre unseres Dichters bilden jedoch die Epigramme, die, an die unterschiedlichsten Adressaten gerichtet und ein breites Spektrum an Themen und Anlässen behandelnd, das Leben des Humanisten literarisch begleiteten und verarbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
Die Salices übertreffen im Umfang die längsten von Sannazaros ‚Elegien‘ und ‚Epigrammen‘ nicht, nehmen aber trotzdem eine Sonderstellung in seinem Werk ein, da sie als einziges aitiologisches Gedicht separat überliefert sind. Sannazaro legte sie als eine epische Versepistel an einen seiner Gönner an, in der er in der antiken Tradition der recusatio das Ausbleiben eines versprochenen größeren Werkes zu entschuldigen bittet. Widmungsadressat ist der adlige Traiano Cavaniglia, der unter der aragonesischen Herrschaft über Neapel und Kampanien mit den Grafschaften Montella und Troia belehnt wurde. Die näher an Neapel gelegene von beiden Herrschaften, Montella, ist bekannt für ihren Reichtum an Quellen, aus denen mehrere bedeutende Flüsse Süditaliens gespeist werden. Unweit von Montella entspringt auch einer der beiden Hauptzuflüsse des Sarno, dem wir in den Salices als Flussgott in der Rolle des Peneus aus Ovids Darstellung des Daphne-Mythos begegnen. Damit ist einer der möglichen Anlässe gegeben, warum Sannazaro für Cavaniglia die vorliegende Metamorphose gedichtet oder sie ihm zumindest gewidmet haben könnte: Es ist unter humanistischen Dichtern in der Korrespondenz mit ihren Gönnern üblich geworden, diesen in Nachahmung und Überbietung von Statius‘ Silvae Aitiologien gewissermaßen ‚vor die Haustür‘ zu dichten. Sollte Sannazaro seinen Adressaten in Montella besucht haben, wird er den Großteil des Weges über den – zu jener Zeit noch schiffbaren – Sarno zurückgelegt und auf der Fahrt die den Uferverlauf säumenden Weiden betrachtet haben; ob es sich tatsächlich um Trauerweiden gehandelt hat, wie die Beschreibung in dem Gedicht zumindest dem Phänotyp nach nahelegt, muss dahingestellt bleiben: Die erste botanische Beschreibung der echten Trauerweide (Salix babylonica) ist mehr als 100 Jahre nach Sannazaros Gedicht entstanden, die Züchtung aus der Silberweide (Salix alba tristis) stammt sogar erst aus dem 19. Jahrhundert. Allerdings macht Sannazaros sich auch an anderer Stelle ein dichterisches Vergnügen daraus, botanische Realien seiner Lebenswirklichkeit, die sich der antiken Systematik entzogen, aitiologisch in den antikisierenden Diskurs einzupflegen (in der [[Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4|‚Elegie‘ 2, 4]] ist es der weiße Maulbeerbaum). Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Sarno mag aber auch ein antiker Münzfund gewesen sein (Antiquarismus ist eine weitere bedeutende Facette der humanistischen Auseinandersetzung mit der Antike gewesen): Aus Nocera (dem römischen Nuceria) sind zahlreiche Darstellungen eines Flussgottes Sarnus mit Widderhörnern belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro_Salices.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro_Salices.docx|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro_Salices.odt|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Jacopo Sannazaro|Jacopo Sannazaro]]&lt;br /&gt;
[[Category:15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;br /&gt;
[[Category:Lernjahr_6]]&lt;br /&gt;
[[Category:Oberstufe]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4&amp;diff=989</id>
		<title>Jacopo Sannazaro, Elegiae 2, 4</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4&amp;diff=989"/>
		<updated>2022-04-13T10:14:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Jacopo Sannazaro (1458-1530) gehört zur ersten Generation neapolitanischer Humanisten, die vollständig unter der Herrschaft der Könige des Hauses Aragon (seit 1443) aufwuchsen und von deren immenser kultureller Patronage profitierten. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern, dem aus Palermo stammenden Antonio Beccadelli (1394-1471) und dem Umbrer Giovanni Pontano (1429-1503), die das Ideal des gelehrten und schreibenden Politikers der frühen Renaissance verkörperten (insbesondere Pontano war neben der Führung der Staatsgeschäfte eines der bedeutendsten Staaten Italiens zugleich als Dichter produktiver als fast alle seiner Zeitgenossen), widmete Sannazaro sein Leben ganz überwiegend der Literatur. Dafür konnte er bis zur Vertreibung der aragonesischen Könige aus Neapel 1501 auf deren Förderung zählen – Ferdinand II., den Sannazaro ins Exil begleitete, aus dem er allerdings 1505 schon wieder nach Neapel zurückkehrte, hatte dem Dichter noch 1499 ein stattliches Anwesen geschenkt. Die Patronage des Königshauses wurde maßgeblich vermittelt durch Giovanni Pontano, den Entdecker und Förderer Sannazaros. Pontano verdankte er auch sein humanistisches Pseudonym Actius Sincerus, unter dem er in einem Dialog seines Förderers auftritt. Die nach Pontano benannte Akademie, die tatsächlich aber schon seit 1458 unter Beccadellis Vorsitz im Castel Nuovo in Neapel tagte, leitete Sannazaro nach Pontanos Tod 1503 bzw. seiner eigenen Rückkehr nach Neapel 1505. Seiner tiefen Verehrung für Vergil trug Sannazaro noch im Tod dadurch Rechnung, dass er sich in der von ihm gestifteten und ein Jahr vor seinem Tod fertiggestellten Kirche Santa Maria del Parto in Mergellina bestatten ließ und damit sicherstellte, dass kein Dichter jemals näher an dem benachbarten Grab Vergils seine letzte Ruhe finden würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
In seiner literarischen Findungsphase in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts dichtete Sannazaro zunächst die italienischsprachige ‚Arcadia‘, die als Meilenstein der volkssprachigen Hirtendichtung gilt. In allen erhaltenen späteren Werken gab Sannazaro dem Lateinischen den Vorzug und errang vor allem durch sein Hauptwerk, das Bibelepos De partu virginis, den Ruf eines christlichen Vergil. Wie viele Dichter (nicht nur) seiner Epoche stilisierte auch Sannazaro seine eigene Dichterbiographie nach dem vergilischen Modell und maß daher der Bukolik, in die er sich in der Volkssprache schon eingeschrieben hatte, eine große Rolle bei, erneuerte mit den Eclogae piscatoriae die Gattung aber zugleich auch durch die Transposition der bukolischen Hirten in Fischer am Golf von Neapel, die jedoch ebenso unermüdlich wie ihre Ahnen auf dem Festland von Liebe, Verlangen und Tod singen. Auch in den Piscatoria versucht Sannazaro sich an Aitiologien, etwa zum Ortsnamen Posilippo. Ein weiteres aitiologisches Werk mittleren Umfangs liegt mit den [[Jacopo Sannazaro, Salices|Salices]] vor, in dem, ähnlich wie in der hier zur Lektüre vorgeschlagenen Aitiologie, die Metamorphose in Weiden die letzte Zuflucht der von Göttern bedrängten Nymphen ist. Den umfangreichsten Einzelposten im Oeuvre unseres Dichters bilden jedoch die Epigramme, die, an die unterschiedlichsten Adressaten gerichtet und ein breites Spektrum an Themen und Anlässen behandelnd, das Leben des Humanisten literarisch begleiteten und verarbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
In den drei Büchern von Sannazaros Elegien mit insgesamt 24 Gedichten nimmt die Entstehungsgeschichte des Maulbeerbaums eine Sonderstellung insofern ein, als es die einzige aitiologische von ingesamt wenigen narrativen Elegien darstellt. Auch ist sie im Gegensatz zu den meisten anderen Elegien nicht an einen namentlich genannten Adressaten gerichtet, sei dieser ein realer Zeitgenosse wie Alfons II., Ferdinands Sohn und vorletzter aragonesischer König von Neapel (2, 1), eine Gottheit wie Bacchus (2, 5) oder die anonyme Masse seiner Kritiker (1, 11). Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich jedoch bei weitem nicht um den einzigen aitiologischen Text Sannazaros. Für eine Verwendung im Lektüreunterricht eignet sich die Elegie allerdings weit besser sowohl als die umfangreicheren Salices als auch als die vierte Fischerekloge, in der der Meeresgott Proteus eine Vielzahl, oft etymologischer, Aitiologien für Landmarken im Umfeld des Golfs wiedergibt, die aber nicht nur eine genauere Kenntnis der genannten Orte erfordern, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Gattungskonventionen der Bukolik. Elegie 2, 4 präsentiert sich demgegenüber als eine kompakte, narrativ geschlossene aitiologische Metamorphose, deren Spiel mit dem Vorbild Ovid unmittelbar evident wird und die Bauformen ovidischer Metamorphosen prägnant offenlegt. Doch selbst ohne Kenntnis der zahlreichen intertextuell gegenwärtigen Mythen des augusteischen Dichters überzeugt Sannazaros Elegie durch eine spürbare dichterische, aber nicht in antiquarischer oder philologischer Gelehrsamkeit verrätselte Sprache und zahlreiche Anknüpfungspunkte für kreative und problematisierende Interpretationen. Bei der Lektüre wird das humanistische Wetteifern mit antiken Modellen als ein sehr lebendiges Stück intellektuellen Lebensstils greifbar: Der nachantike Dichter augmentiert seine eigene Lebenswirklichkeit mit selbst kreierten mythologischen Realien in antiken Formen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx pdf.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx docx.docx|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro Eleg. 2 4 odt.odt|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Jacopo Sannazaro|Jacopo Sannazaro]]&lt;br /&gt;
[[Category:15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;br /&gt;
[[Category:Lernjahr_6]]&lt;br /&gt;
[[Category:Oberstufe]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4&amp;diff=979</id>
		<title>Jacopo Sannazaro, Elegiae 2, 4</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4&amp;diff=979"/>
		<updated>2022-04-11T10:07:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Jacopo Sannazaro (1458-1530) gehört zur ersten Generation neapolitanischer Humanisten, die vollständig unter der Herrschaft der Könige des Hauses Aragon (seit 1443) aufwuchsen und von deren immenser kultureller Patronage profitierten. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern, dem aus Palermo stammenden Antonio Beccadelli (1394-1471) und dem Umbrer Giovanni Pontano (1429-1503), die das Ideal des gelehrten und schreibenden Politikers der frühen Renaissance verkörperten (insbesondere Pontano war neben der Führung der Staatsgeschäfte eines der bedeutendsten Staaten Italiens zugleich als Dichter produktiver als fast alle seiner Zeitgenossen), widmete Sannazaro sein Leben ganz überwiegend der Literatur. Dafür konnte er bis zur Vertreibung der aragonesischen Könige aus Neapel 1501 auf deren Förderung zählen – Ferdinand II., den Sannazaro ins Exil begleitete, aus dem er allerdings 1505 schon wieder nach Neapel zurückkehrte, hatte dem Dichter noch 1499 ein stattliches Anwesen geschenkt. Die Patronage des Königshauses wurde maßgeblich vermittelt durch Giovanni Pontano, den Entdecker und Förderer Sannazaros. Pontano verdankte er auch sein humanistisches Pseudonym Actius Sincerus, unter dem er in einem Dialog seines Förderers auftritt. Die nach Pontano benannte Akademie, die tatsächlich aber schon seit 1458 unter Beccadellis Vorsitz im Castel Nuovo in Neapel tagte, leitete Sannazaro nach Pontanos Tod 1503 bzw. seiner eigenen Rückkehr nach Neapel 1505. Seiner tiefen Verehrung für Vergil trug Sannazaro noch im Tod dadurch Rechnung, dass er sich in der von ihm gestifteten und ein Jahr vor seinem Tod fertiggestellten Kirche Santa Maria del Parto in Mergellina bestatten ließ und damit sicherstellte, dass kein Dichter jemals näher an dem benachbarten Grab Vergils seine letzte Ruhe finden würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
In seiner literarischen Findungsphase in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts dichtete Sannazaro zunächst die italienischsprachige ‚Arcadia‘, die als Meilenstein der volkssprachigen Hirtendichtung gilt. In allen erhaltenen späteren Werken gab Sannazaro dem Lateinischen den Vorzug und errang vor allem durch sein Hauptwerk, das Bibelepos De partu virginis, den Ruf eines christlichen Vergil. Wie viele Dichter (nicht nur) seiner Epoche stilisierte auch Sannazaro seine eigene Dichterbiographie nach dem vergilischen Modell und maß daher der Bukolik, in die er sich in der Volkssprache schon eingeschrieben hatte, eine große Rolle bei, erneuerte mit den Eclogae piscatoriae die Gattung aber zugleich auch durch die Transposition der bukolischen Hirten in Fischer am Golf von Neapel, die jedoch ebenso unermüdlich wie ihre Ahnen auf dem Festland von Liebe, Verlangen und Tod singen. Auch in den Piscatoria versucht Sannazaro sich an Aitiologien, etwa zum Ortsnamen Posilippo. Ein weiteres aitiologisches Werk mittleren Umfangs liegt mit den [[Jacopo Sannazaro, Salices|Salices]] vor, in dem, ähnlich wie in der hier zur Lektüre vorgeschlagenen Aitiologie, die Metamorphose in Weiden die letzte Zuflucht der von Göttern bedrängten Nymphen ist. Den umfangreichsten Einzelposten im Oeuvre unseres Dichters bilden jedoch die Epigramme, die, an die unterschiedlichsten Adressaten gerichtet und ein breites Spektrum an Themen und Anlässen behandelnd, das Leben des Humanisten literarisch begleiteten und verarbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
In den drei Büchern von Sannazaros Elegien mit insgesamt 24 Gedichten nimmt die Entstehungsgeschichte des Maulbeerbaums eine Sonderstellung insofern ein, als es die einzige aitiologische von ingesamt wenigen narrativen Elegien darstellt. Auch ist sie im Gegensatz zu den meisten anderen Elegien nicht an einen namentlich genannten Adressaten gerichtet, sei dieser ein realer Zeitgenosse wie Alfons II., Ferdinands Sohn und vorletzter aragonesischer König von Neapel (2, 1), eine Gottheit wie Bacchus (2, 5) oder die anonyme Masse seiner Kritiker (1, 11). Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich jedoch bei weitem nicht um den einzigen aitiologischen Text Sannazaros. Für eine Verwendung im Lektüreunterricht eignet sich die Elegie allerdings weit besser sowohl als die umfangreicheren Salices als auch als die vierte Fischerekloge, in der der Meeresgott Proteus eine Vielzahl, oft etymologischer, Aitiologien für Landmarken im Umfeld des Golfs wiedergibt, die aber nicht nur eine genauere Kenntnis der genannten Orte erfordern, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Gattungskonventionen der Bukolik. Elegie 2, 4 präsentiert sich demgegenüber als eine kompakte, narrativ geschlossene aitiologische Metamorphose, deren Spiel mit dem Vorbild Ovid unmittelbar evident wird und die Bauformen ovidischer Metamorphosen prägnant offenlegt. Doch selbst ohne Kenntnis der zahlreichen intertextuell gegenwärtigen Mythen des augusteischen Dichters überzeugt Sannazaros Elegie durch eine spürbare dichterische, aber nicht in antiquarischer oder philologischer Gelehrsamkeit verrätselte Sprache und zahlreiche Anknüpfungspunkte für kreative und problematisierende Interpretationen. Bei der Lektüre wird das humanistische Wetteifern mit antiken Modellen als ein sehr lebendiges Stück intellektuellen Lebensstils greifbar: Der nachantike Dichter augmentiert seine eigene Lebenswirklichkeit mit selbst kreierten mythologischen Realien in antiken Formen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx pdf.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx docx.docx|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro Eleg. 2 4 odt.odt|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Jacopo Sannazaro|Jacopo Sannazaro]]&lt;br /&gt;
[[Category:15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Sannazaro_Salices.odt&amp;diff=978</id>
		<title>Datei:Sannazaro Salices.odt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Sannazaro_Salices.odt&amp;diff=978"/>
		<updated>2022-04-11T10:05:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Sannazaro_Salices.docx&amp;diff=977</id>
		<title>Datei:Sannazaro Salices.docx</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Sannazaro_Salices.docx&amp;diff=977"/>
		<updated>2022-04-11T10:05:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Sannazaro_Salices.pdf&amp;diff=976</id>
		<title>Datei:Sannazaro Salices.pdf</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Datei:Sannazaro_Salices.pdf&amp;diff=976"/>
		<updated>2022-04-11T10:04:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Salices&amp;diff=975</id>
		<title>Jacopo Sannazaro, Salices</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Salices&amp;diff=975"/>
		<updated>2022-04-11T10:04:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: /* Download */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Jacopo Sannazaro (1458-1530) gehört zur ersten Generation neapolitanischer Humanisten, die vollständig unter der Herrschaft der Könige des Hauses Aragon (seit 1443) aufwuchsen und von deren immenser kultureller Patronage profitierten. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern, dem aus Palermo stammenden Antonio Beccadelli (1394-1471) und dem Umbrer Giovanni Pontano (1429-1503), die das Ideal des gelehrten und schreibenden Politikers der frühen Renaissance verkörperten (insbesondere Pontano war neben der Führung der Staatsgeschäfte eines der bedeutendsten Staaten Italiens zugleich als Dichter produktiver als fast alle seiner Zeitgenossen), widmete Sannazaro sein Leben ganz überwiegend der Literatur. Dafür konnte er bis zur Vertreibung der aragonesischen Könige aus Neapel 1501 auf deren Förderung zählen – Ferdinand II., den Sannazaro ins Exil begleitete, aus dem er allerdings 1505 schon wieder nach Neapel zurückkehrte, hatte dem Dichter noch 1499 ein stattliches Anwesen geschenkt. Die Patronage des Königshauses wurde maßgeblich vermittelt durch Giovanni Pontano, den Entdecker und Förderer Sannazaros. Pontano verdankte er auch sein humanistisches Pseudonym Actius Sincerus, unter dem er in einem Dialog seines Förderers auftritt. Die nach Pontano benannte Akademie, die tatsächlich aber schon seit 1458 unter Beccadellis Vorsitz im Castel Nuovo in Neapel tagte, leitete Sannazaro nach Pontanos Tod 1503 bzw. seiner eigenen Rückkehr nach Neapel 1505. Seiner tiefen Verehrung für Vergil trug Sannazaro noch im Tod dadurch Rechnung, dass er sich in der von ihm gestifteten und ein Jahr vor seinem Tod fertiggestellten Kirche Santa Maria del Parto in Mergellina bestatten ließ und damit sicherstellte, dass kein Dichter jemals näher an dem benachbarten Grab Vergils seine letzte Ruhe finden würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
In seiner literarischen Findungsphase in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts dichtete Sannazaro zunächst die italienischsprachige ‚Arcadia‘, die als Meilenstein der volkssprachigen Hirtendichtung gilt. In allen erhaltenen späteren Werken gab Sannazaro dem Lateinischen den Vorzug und errang vor allem durch sein Hauptwerk, das Bibelepos De partu virginis, den Ruf eines christlichen Vergil. Wie viele Dichter (nicht nur) seiner Epoche stilisierte auch Sannazaro seine eigene Dichterbiographie nach dem vergilischen Modell und maß daher der Bukolik, in die er sich in der Volkssprache schon eingeschrieben hatte, eine große Rolle bei, erneuerte mit den Eclogae piscatoriae die Gattung aber zugleich auch durch die Transposition der bukolischen Hirten in Fischer am Golf von Neapel, die jedoch ebenso unermüdlich wie ihre Ahnen auf dem Festland von Liebe, Verlangen und Tod singen. Neben Vergil arbeitete Sannazaro sich jedoch in ähnlichem Ausmaß auch an Ovid ab: In den Piscatoria und den ‚Elegien‘ versucht Sannazaro sich an Aitiologien, etwa zum Ortsnamen Posilippo. Ein weiteres aitiologisches Werk mittleren Umfangs liegt mit den Salices vor, in dem, ähnlich wie in der hier zur Lektüre vorgeschlagenen Aitiologie, die Metamorphose in Weiden die letzte Zuflucht der von Göttern bedrängten Nymphen ist. Den umfangreichsten Einzelposten im Oeuvre unseres Dichters bilden jedoch die Epigramme, die, an die unterschiedlichsten Adressaten gerichtet und ein breites Spektrum an Themen und Anlässen behandelnd, das Leben des Humanisten literarisch begleiteten und verarbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
Die Salices übertreffen im Umfang die längsten von Sannazaros ‚Elegien‘ und ‚Epigrammen‘ nicht, nehmen aber trotzdem eine Sonderstellung in seinem Werk ein, da sie als einziges aitiologisches Gedicht separat überliefert sind. Sannazaro legte sie als eine epische Versepistel an einen seiner Gönner an, in der er in der antiken Tradition der recusatio das Ausbleiben eines versprochenen größeren Werkes zu entschuldigen bittet. Widmungsadressat ist der adlige Traiano Cavaniglia, der unter der aragonesischen Herrschaft über Neapel und Kampanien mit den Grafschaften Montella und Troia belehnt wurde. Die näher an Neapel gelegene von beiden Herrschaften, Montella, ist bekannt für ihren Reichtum an Quellen, aus denen mehrere bedeutende Flüsse Süditaliens gespeist werden. Unweit von Montella entspringt auch einer der beiden Hauptzuflüsse des Sarno, dem wir in den Salices als Flussgott in der Rolle des Peneus aus Ovids Darstellung des Daphne-Mythos begegnen. Damit ist einer der möglichen Anlässe gegeben, warum Sannazaro für Cavaniglia die vorliegende Metamorphose gedichtet oder sie ihm zumindest gewidmet haben könnte: Es ist unter humanistischen Dichtern in der Korrespondenz mit ihren Gönnern üblich geworden, diesen in Nachahmung und Überbietung von Statius‘ Silvae Aitiologien gewissermaßen ‚vor die Haustür‘ zu dichten. Sollte Sannazaro seinen Adressaten in Montella besucht haben, wird er den Großteil des Weges über den – zu jener Zeit noch schiffbaren – Sarno zurückgelegt und auf der Fahrt die den Uferverlauf säumenden Weiden betrachtet haben; ob es sich tatsächlich um Trauerweiden gehandelt hat, wie die Beschreibung in dem Gedicht zumindest dem Phänotyp nach nahelegt, muss dahingestellt bleiben: Die erste botanische Beschreibung der echten Trauerweide (Salix babylonica) ist mehr als 100 Jahre nach Sannazaros Gedicht entstanden, die Züchtung aus der Silberweide (Salix alba tristis) stammt sogar erst aus dem 19. Jahrhundert. Allerdings macht Sannazaros sich auch an anderer Stelle ein dichterisches Vergnügen daraus, botanische Realien seiner Lebenswirklichkeit, die sich der antiken Systematik entzogen, aitiologisch in den antikisierenden Diskurs einzupflegen (in der [[Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4|‚Elegie‘ 2, 4]] ist es der weiße Maulbeerbaum). Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Sarno mag aber auch ein antiker Münzfund gewesen sein (Antiquarismus ist eine weitere bedeutende Facette der humanistischen Auseinandersetzung mit der Antike gewesen): Aus Nocera (dem römischen Nuceria) sind zahlreiche Darstellungen eines Flussgottes Sarnus mit Widderhörnern belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro_Salices.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro_Salices.docx|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro_Salices.odt|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Jacopo Sannazaro|Jacopo Sannazaro]]&lt;br /&gt;
[[Category:15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Salices&amp;diff=974</id>
		<title>Jacopo Sannazaro, Salices</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Salices&amp;diff=974"/>
		<updated>2022-04-11T09:57:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: Die Seite wurde neu angelegt: „===Autor=== Jacopo Sannazaro (1458-1530) gehört zur ersten Generation neapolitanischer Humanisten, die vollständig unter der Herrschaft der Könige des Hause…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Jacopo Sannazaro (1458-1530) gehört zur ersten Generation neapolitanischer Humanisten, die vollständig unter der Herrschaft der Könige des Hauses Aragon (seit 1443) aufwuchsen und von deren immenser kultureller Patronage profitierten. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern, dem aus Palermo stammenden Antonio Beccadelli (1394-1471) und dem Umbrer Giovanni Pontano (1429-1503), die das Ideal des gelehrten und schreibenden Politikers der frühen Renaissance verkörperten (insbesondere Pontano war neben der Führung der Staatsgeschäfte eines der bedeutendsten Staaten Italiens zugleich als Dichter produktiver als fast alle seiner Zeitgenossen), widmete Sannazaro sein Leben ganz überwiegend der Literatur. Dafür konnte er bis zur Vertreibung der aragonesischen Könige aus Neapel 1501 auf deren Förderung zählen – Ferdinand II., den Sannazaro ins Exil begleitete, aus dem er allerdings 1505 schon wieder nach Neapel zurückkehrte, hatte dem Dichter noch 1499 ein stattliches Anwesen geschenkt. Die Patronage des Königshauses wurde maßgeblich vermittelt durch Giovanni Pontano, den Entdecker und Förderer Sannazaros. Pontano verdankte er auch sein humanistisches Pseudonym Actius Sincerus, unter dem er in einem Dialog seines Förderers auftritt. Die nach Pontano benannte Akademie, die tatsächlich aber schon seit 1458 unter Beccadellis Vorsitz im Castel Nuovo in Neapel tagte, leitete Sannazaro nach Pontanos Tod 1503 bzw. seiner eigenen Rückkehr nach Neapel 1505. Seiner tiefen Verehrung für Vergil trug Sannazaro noch im Tod dadurch Rechnung, dass er sich in der von ihm gestifteten und ein Jahr vor seinem Tod fertiggestellten Kirche Santa Maria del Parto in Mergellina bestatten ließ und damit sicherstellte, dass kein Dichter jemals näher an dem benachbarten Grab Vergils seine letzte Ruhe finden würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
In seiner literarischen Findungsphase in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts dichtete Sannazaro zunächst die italienischsprachige ‚Arcadia‘, die als Meilenstein der volkssprachigen Hirtendichtung gilt. In allen erhaltenen späteren Werken gab Sannazaro dem Lateinischen den Vorzug und errang vor allem durch sein Hauptwerk, das Bibelepos De partu virginis, den Ruf eines christlichen Vergil. Wie viele Dichter (nicht nur) seiner Epoche stilisierte auch Sannazaro seine eigene Dichterbiographie nach dem vergilischen Modell und maß daher der Bukolik, in die er sich in der Volkssprache schon eingeschrieben hatte, eine große Rolle bei, erneuerte mit den Eclogae piscatoriae die Gattung aber zugleich auch durch die Transposition der bukolischen Hirten in Fischer am Golf von Neapel, die jedoch ebenso unermüdlich wie ihre Ahnen auf dem Festland von Liebe, Verlangen und Tod singen. Neben Vergil arbeitete Sannazaro sich jedoch in ähnlichem Ausmaß auch an Ovid ab: In den Piscatoria und den ‚Elegien‘ versucht Sannazaro sich an Aitiologien, etwa zum Ortsnamen Posilippo. Ein weiteres aitiologisches Werk mittleren Umfangs liegt mit den Salices vor, in dem, ähnlich wie in der hier zur Lektüre vorgeschlagenen Aitiologie, die Metamorphose in Weiden die letzte Zuflucht der von Göttern bedrängten Nymphen ist. Den umfangreichsten Einzelposten im Oeuvre unseres Dichters bilden jedoch die Epigramme, die, an die unterschiedlichsten Adressaten gerichtet und ein breites Spektrum an Themen und Anlässen behandelnd, das Leben des Humanisten literarisch begleiteten und verarbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
Die Salices übertreffen im Umfang die längsten von Sannazaros ‚Elegien‘ und ‚Epigrammen‘ nicht, nehmen aber trotzdem eine Sonderstellung in seinem Werk ein, da sie als einziges aitiologisches Gedicht separat überliefert sind. Sannazaro legte sie als eine epische Versepistel an einen seiner Gönner an, in der er in der antiken Tradition der recusatio das Ausbleiben eines versprochenen größeren Werkes zu entschuldigen bittet. Widmungsadressat ist der adlige Traiano Cavaniglia, der unter der aragonesischen Herrschaft über Neapel und Kampanien mit den Grafschaften Montella und Troia belehnt wurde. Die näher an Neapel gelegene von beiden Herrschaften, Montella, ist bekannt für ihren Reichtum an Quellen, aus denen mehrere bedeutende Flüsse Süditaliens gespeist werden. Unweit von Montella entspringt auch einer der beiden Hauptzuflüsse des Sarno, dem wir in den Salices als Flussgott in der Rolle des Peneus aus Ovids Darstellung des Daphne-Mythos begegnen. Damit ist einer der möglichen Anlässe gegeben, warum Sannazaro für Cavaniglia die vorliegende Metamorphose gedichtet oder sie ihm zumindest gewidmet haben könnte: Es ist unter humanistischen Dichtern in der Korrespondenz mit ihren Gönnern üblich geworden, diesen in Nachahmung und Überbietung von Statius‘ Silvae Aitiologien gewissermaßen ‚vor die Haustür‘ zu dichten. Sollte Sannazaro seinen Adressaten in Montella besucht haben, wird er den Großteil des Weges über den – zu jener Zeit noch schiffbaren – Sarno zurückgelegt und auf der Fahrt die den Uferverlauf säumenden Weiden betrachtet haben; ob es sich tatsächlich um Trauerweiden gehandelt hat, wie die Beschreibung in dem Gedicht zumindest dem Phänotyp nach nahelegt, muss dahingestellt bleiben: Die erste botanische Beschreibung der echten Trauerweide (Salix babylonica) ist mehr als 100 Jahre nach Sannazaros Gedicht entstanden, die Züchtung aus der Silberweide (Salix alba tristis) stammt sogar erst aus dem 19. Jahrhundert. Allerdings macht Sannazaros sich auch an anderer Stelle ein dichterisches Vergnügen daraus, botanische Realien seiner Lebenswirklichkeit, die sich der antiken Systematik entzogen, aitiologisch in den antikisierenden Diskurs einzupflegen (in der [[Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4|‚Elegie‘ 2, 4]] ist es der weiße Maulbeerbaum). Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit dem Sarno mag aber auch ein antiker Münzfund gewesen sein (Antiquarismus ist eine weitere bedeutende Facette der humanistischen Auseinandersetzung mit der Antike gewesen): Aus Nocera (dem römischen Nuceria) sind zahlreiche Darstellungen eines Flussgottes Sarnus mit Widderhörnern belegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx pdf.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx docx.docx|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro Eleg. 2 4 odt.odt|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Jacopo Sannazaro|Jacopo Sannazaro]]&lt;br /&gt;
[[Category:15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4&amp;diff=743</id>
		<title>Jacopo Sannazaro, Elegiae 2, 4</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4&amp;diff=743"/>
		<updated>2021-09-14T18:52:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Jacopo Sannazaro (1458-1530) gehört zur ersten Generation neapolitanischer Humanisten, die vollständig unter der Herrschaft der Könige des Hauses Aragon (seit 1443) aufwuchsen und von deren immenser kultureller Patronage profitierten. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern, dem aus Palermo stammenden Antonio Beccadelli (1394-1471) und dem Umbrer Giovanni Pontano (1429-1503), die das Ideal des gelehrten und schreibenden Politikers der frühen Renaissance verkörperten (insbesondere Pontano war neben der Führung der Staatsgeschäfte eines der bedeutendsten Staaten Italiens zugleich als Dichter produktiver als fast alle seiner Zeitgenossen), widmete Sannazaro sein Leben ganz überwiegend der Literatur. Dafür konnte er bis zur Vertreibung der aragonesischen Könige aus Neapel 1501 auf deren Förderung zählen – Ferdinand II., den Sannazaro ins Exil begleitete, aus dem er allerdings 1505 schon wieder nach Neapel zurückkehrte, hatte dem Dichter noch 1499 ein stattliches Anwesen geschenkt. Die Patronage des Königshauses wurde maßgeblich vermittelt durch Giovanni Pontano, den Entdecker und Förderer Sannazaros. Pontano verdankte er auch sein humanistisches Pseudonym Actius Sincerus, unter dem er in einem Dialog seines Förderers auftritt. Die nach Pontano benannte Akademie, die tatsächlich aber schon seit 1458 unter Beccadellis Vorsitz im Castel Nuovo in Neapel tagte, leitete Sannazaro nach Pontanos Tod 1503 bzw. seiner eigenen Rückkehr nach Neapel 1505. Seiner tiefen Verehrung für Vergil trug Sannazaro noch im Tod dadurch Rechnung, dass er sich in der von ihm gestifteten und ein Jahr vor seinem Tod fertiggestellten Kirche Santa Maria del Parto in Mergellina bestatten ließ und damit sicherstellte, dass kein Dichter jemals näher an dem benachbarten Grab Vergils seine letzte Ruhe finden würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
In seiner literarischen Findungsphase in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts dichtete Sannazaro zunächst die italienischsprachige ‚Arcadia‘, die als Meilenstein der volkssprachigen Hirtendichtung gilt. In allen erhaltenen späteren Werken gab Sannazaro dem Lateinischen den Vorzug und errang vor allem durch sein Hauptwerk, das Bibelepos De partu virginis, den Ruf eines christlichen Vergil. Wie viele Dichter (nicht nur) seiner Epoche stilisierte auch Sannazaro seine eigene Dichterbiographie nach dem vergilischen Modell und maß daher der Bukolik, in die er sich in der Volkssprache schon eingeschrieben hatte, eine große Rolle bei, erneuerte mit den Eclogae piscatoriae die Gattung aber zugleich auch durch die Transposition der bukolischen Hirten in Fischer am Golf von Neapel, die jedoch ebenso unermüdlich wie ihre Ahnen auf dem Festland von Liebe, Verlangen und Tod singen. Auch in den Piscatoria versucht Sannazaro sich an Aitiologien, etwa zum Ortsnamen Posilippo. Ein weiteres aitiologisches Werk mittleren Umfangs liegt mit den Salices vor, in dem, ähnlich wie in der hier zur Lektüre vorgeschlagenen Aitiologie, die Metamorphose in Weiden die letzte Zuflucht der von Göttern bedrängten Nymphen ist. Den umfangreichsten Einzelposten im Oeuvre unseres Dichters bilden jedoch die Epigramme, die, an die unterschiedlichsten Adressaten gerichtet und ein breites Spektrum an Themen und Anlässen behandelnd, das Leben des Humanisten literarisch begleiteten und verarbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
In den drei Büchern von Sannazaros Elegien mit insgesamt 24 Gedichten nimmt die Entstehungsgeschichte des Maulbeerbaums eine Sonderstellung insofern ein, als es die einzige aitiologische von ingesamt wenigen narrativen Elegien darstellt. Auch ist sie im Gegensatz zu den meisten anderen Elegien nicht an einen namentlich genannten Adressaten gerichtet, sei dieser ein realer Zeitgenosse wie Alfons II., Ferdinands Sohn und vorletzter aragonesischer König von Neapel (2, 1), eine Gottheit wie Bacchus (2, 5) oder die anonyme Masse seiner Kritiker (1, 11). Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich jedoch bei weitem nicht um den einzigen aitiologischen Text Sannazaros. Für eine Verwendung im Lektüreunterricht eignet sich die Elegie allerdings weit besser sowohl als die umfangreicheren Salices als auch als die vierte Fischerekloge, in der der Meeresgott Proteus eine Vielzahl, oft etymologischer, Aitiologien für Landmarken im Umfeld des Golfs wiedergibt, die aber nicht nur eine genauere Kenntnis der genannten Orte erfordern, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Gattungskonventionen der Bukolik. Elegie 2, 4 präsentiert sich demgegenüber als eine kompakte, narrativ geschlossene aitiologische Metamorphose, deren Spiel mit dem Vorbild Ovid unmittelbar evident wird und die Bauformen ovidischer Metamorphosen prägnant offenlegt. Doch selbst ohne Kenntnis der zahlreichen intertextuell gegenwärtigen Mythen des augusteischen Dichters überzeugt Sannazaros Elegie durch eine spürbare dichterische, aber nicht in antiquarischer oder philologischer Gelehrsamkeit verrätselte Sprache und zahlreiche Anknüpfungspunkte für kreative und problematisierende Interpretationen. Bei der Lektüre wird das humanistische Wetteifern mit antiken Modellen als ein sehr lebendiges Stück intellektuellen Lebensstils greifbar: Der nachantike Dichter augmentiert seine eigene Lebenswirklichkeit mit selbst kreierten mythologischen Realien in antiken Formen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx pdf.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx docx.docx|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro Eleg. 2 4 odt.odt|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Jacopo Sannazaro|Jacopo Sannazaro]]&lt;br /&gt;
[[Category:15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category:Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur|Leitthema 3: Wandel als Grundprinzip der Natur]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4&amp;diff=742</id>
		<title>Jacopo Sannazaro, Elegiae 2, 4</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://mnl-schule.dnlatg.de/wiki/index.php?title=Jacopo_Sannazaro,_Elegiae_2,_4&amp;diff=742"/>
		<updated>2021-09-14T18:51:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;ChristianPeters: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Autor===&lt;br /&gt;
Jacopo Sannazaro (1458-1530) gehört zur ersten Generation neapolitanischer Humanisten, die vollständig unter der Herrschaft der Könige des Hauses Aragon (seit 1443) aufwuchsen und von deren immenser kultureller Patronage profitierten. Im Gegensatz zu seinen Vorläufern, dem aus Palermo stammenden Antonio Beccadelli (1394-1471) und dem Umbrer Giovanni Pontano (1429-1503), die das Ideal des gelehrten und schreibenden Politikers der frühen Renaissance verkörperten (insbesondere Pontano war neben der Führung der Staatsgeschäfte eines der bedeutendsten Staaten Italiens zugleich als Dichter produktiver als fast alle seiner Zeitgenossen), widmete Sannazaro sein Leben ganz überwiegend der Literatur. Dafür konnte er bis zur Vertreibung der aragonesischen Könige aus Neapel 1501 auf deren Förderung zählen – Ferdinand II., den Sannazaro ins Exil begleitete, aus dem er allerdings 1505 schon wieder nach Neapel zurückkehrte, hatte dem Dichter noch 1499 ein stattliches Anwesen geschenkt. Die Patronage des Königshauses wurde maßgeblich vermittelt durch Giovanni Pontano, den Entdecker und Förderer Sannazaros. Pontano verdankte er auch sein humanistisches Pseudonym Actius Sincerus, unter dem er in einem Dialog seines Förderers auftritt. Die nach Pontano benannte Akademie, die tatsächlich aber schon seit 1458 unter Beccadellis Vorsitz im Castel Nuovo in Neapel tagte, leitete Sannazaro nach Pontanos Tod 1503 bzw. seiner eigenen Rückkehr nach Neapel 1505. Seiner tiefen Verehrung für Vergil trug Sannazaro noch im Tod dadurch Rechnung, dass er sich in der von ihm gestifteten und ein Jahr vor seinem Tod fertiggestellten Kirche Santa Maria del Parto in Mergellina bestatten ließ und damit sicherstellte, dass kein Dichter jemals näher an dem benachbarten Grab Vergils seine letzte Ruhe finden würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Werk===&lt;br /&gt;
In seiner literarischen Findungsphase in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts dichtete Sannazaro zunächst die italienischsprachige ‚Arcadia‘, die als Meilenstein der volkssprachigen Hirtendichtung gilt. In allen erhaltenen späteren Werken gab Sannazaro dem Lateinischen den Vorzug und errang vor allem durch sein Hauptwerk, das Bibelepos De partu virginis, den Ruf eines christlichen Vergil. Wie viele Dichter (nicht nur) seiner Epoche stilisierte auch Sannazaro seine eigene Dichterbiographie nach dem vergilischen Modell und maß daher der Bukolik, in die er sich in der Volkssprache schon eingeschrieben hatte, eine große Rolle bei, erneuerte mit den Eclogae piscatoriae die Gattung aber zugleich auch durch die Transposition der bukolischen Hirten in Fischer am Golf von Neapel, die jedoch ebenso unermüdlich wie ihre Ahnen auf dem Festland von Liebe, Verlangen und Tod singen. Auch in den Piscatoria versucht Sannazaro sich an Aitiologien, etwa zum Ortsnamen Posilippo. Ein weiteres aitiologisches Werk mittleren Umfangs liegt mit den Salices vor, in dem, ähnlich wie in der hier zur Lektüre vorgeschlagenen Aitiologie, die Metamorphose in Weiden die letzte Zuflucht der von Göttern bedrängten Nymphen ist. Den umfangreichsten Einzelposten im Oeuvre unseres Dichters bilden jedoch die Epigramme, die, an die unterschiedlichsten Adressaten gerichtet und ein breites Spektrum an Themen und Anlässen behandelnd, das Leben des Humanisten literarisch begleiteten und verarbeiteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hintergründe zum Text===&lt;br /&gt;
In den drei Büchern von Sannazaros Elegien mit insgesamt 24 Gedichten nimmt die Entstehungsgeschichte des Maulbeerbaums eine Sonderstellung insofern ein, als es die einzige aitiologische von ingesamt wenigen narrativen Elegien darstellt. Auch ist sie im Gegensatz zu den meisten anderen Elegien nicht an einen namentlich genannten Adressaten gerichtet, sei dieser ein realer Zeitgenosse wie Alfons II., Ferdinands Sohn und vorletzter aragonesischer König von Neapel (2, 1), eine Gottheit wie Bacchus (2, 5) oder die anonyme Masse seiner Kritiker (1, 11). Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich jedoch bei weitem nicht um den einzigen aitiologischen Text Sannazaros. Für eine Verwendung im Lektüreunterricht eignet sich die Elegie allerdings weit besser sowohl als die umfangreicheren Salices als auch als die vierte Fischerekloge, in der der Meeresgott Proteus eine Vielzahl, oft etymologischer, Aitiologien für Landmarken im Umfeld des Golfs wiedergibt, die aber nicht nur eine genauere Kenntnis der genannten Orte erfordern, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Gattungskonventionen der Bukolik. Elegie 2, 4 präsentiert sich demgegenüber als eine kompakte, narrativ geschlossene aitiologische Metamorphose, deren Spiel mit dem Vorbild Ovid unmittelbar evident wird und die Bauformen ovidischer Metamorphosen prägnant offenlegt. Doch selbst ohne Kenntnis der zahlreichen intertextuell gegenwärtigen Mythen des augusteischen Dichters überzeugt Sannazaros Elegie durch eine spürbare dichterische, aber nicht in antiquarischer oder philologischer Gelehrsamkeit verrätselte Sprache und zahlreiche Anknüpfungspunkte für kreative und problematisierende Interpretationen. Bei der Lektüre wird das humanistische Wetteifern mit antiken Modellen als ein sehr lebendiges Stück intellektuellen Lebensstils greifbar: Der nachantike Dichter augmentiert seine eigene Lebenswirklichkeit mit selbst kreierten mythologischen Realien in antiken Formen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Download==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx pdf.pdf|als PDF]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro, Eleg. 2 4 docx docx.docx|als .docx]]&lt;br /&gt;
* [[Medium:Sannazaro Eleg. 2 4 odt.odt|als .odt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Schule|Texte für die Schule]]&lt;br /&gt;
[[Category:Jacopo Sannazaro|Jacopo Sannazaro]]&lt;br /&gt;
[[Category:15. Jahrhundert|15. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
[[Category:CC BY-NC|Lizenz: CC BY-NC]]&lt;br /&gt;
[[Category: Abitur Niedersachsen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>ChristianPeters</name></author>
	</entry>
</feed>